¡Vaya Semanitas! Calderons Verfolger III

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Mi casa es su casa nicht bei Real Madrid. Präsident Calderons Hausmacht könnte kaum wackeliger sein. Neben seinen intensiven Fehden mit Ferguson & Co nähren vereinsinterne Streitereien sein Unbehagen, das mitunter in Verfolgungswahn gipfelt. Letzte Opfer: Nachwuchsleiter Michel und Trainer Schuster.

Hannes Gaisberger | 24.12.2008

Predrag Mijatovi, Sportdirektor von Real Madrid:  

Beim Frisieren wesentlich erfolgreicher als beim Transferieren, dennoch scheinbar unkündbar. Der von Calderón inamtierte Sportdirektor der Abteilung Fußball unternimmt wenig, um seinem Mentor den Rücken zu stärken. Aber der ehemalige Stürmerstar kennt die Mechanismen der »Merengues« noch aus seiner Zeit als Spieler: Dank eines Treffers des montenegrinischen Torjägers hat Real Madrid 1998 das Champions-League-Finale gegen Juventus Turin in der Amsterdam Arena mit 1:0 gewonnen. Trotzdem musste »Don Jupp« Heynckes den Trainerstuhl in Madrid räumen. Die Paradoxie, die Mijatovi größtem Erfolg innewohnt, taucht nun auch bei seiner Tätigkeit als Sportdirektor immer wieder auf. Die Einkäufe sind weder »galaktisch« noch billig, die Kaderplanung lässt vereinseigenen Nachwuchsspielern kaum Platz. Bestes Beispiel: der zuletzt ins Nationalteam berufene Juan Manuel Mata, der zu Valencia abgewandert ist. So wundert es nicht, dass bei der Präsentation des jüngsten Neuzugangs Klaas-Jan Huntelaar Fans »más cantera menos de fuera« (in etwa: mehr Eigenbauspieler - weniger von außen) skandierten. In letzter Konsequenz fällt die Unzufriedenheit natürlich auf Calderón zurück. Der war überall: in Wimbledon oder beim Formel 1 - Gran Prix in Monaco zum Beispiel, nur da nicht, wo er gebraucht worden wäre: beim Nachwuchs, so ein wütender Fan in einem Stimmungsbericht der letzten Hauptversammlung in El Pais.

 

José Miguel González Martín del Campo aka Michel, Ex-Koordinator der Nachwuchsmannschaften von Real Madrid:

Als Mitglied der legendären »Quinta del Buitre« eine Institution bei Real, für das er 20 Jahre lang höchst erfolgreich gespielt hat. Sowohl mit fairen Mitteln, als auch mit weniger feinen Zügen, wie das berühmte Foto von Michels Griff in Valderramas gute Stube beweist. Just einen Tag nach einer 25-Jahre-Jubiläumsfeier für die »Fünf vom Geier«, wie die Jahrgangsbesten Michel, »El Buitre« Butragueño, Sanchís, Martín Vázquez und Miguel Pardeza in den Achtziger Jahren betitelt worden sind, verließ der ehemalige Flügelflitzer und Flankengott aufgrund seiner permanenten Meinungsverschiedenheiten mit Calderón Real. Um dann noch verbal nachzulegen, indem er die vorbildliche Jugendarbeit beim Erzrivalen FC Barcelona lobt und Präsident Calderón Desinteresse am Nachwuchs vorwirft. Der schlägt bei einer Pressekonferenz zurück: »Michel hat einen depressiven Charakter und bewiesen, dass er unfähig ist, den Nachwuchs zu leiten.«  Dieser Austausch von Unfreundlichkeiten hat den Karikaturisten von Sport veranlasst, ein Update von Michels Griff unter die Gürtellinie vorzunehmen.

 

Eugenio Martínez Bravo, Sprecher der vereinsinternen Opposition »Plataforma Blanca«:
»
Ich bin kein Millionär, kein Bauunternehmer und kein Prominenter. Ich bin seit 26 Jahren Mitglied, werde bald 40 und möchte meine besten Jahre Real Madrid widmen.« Zwei Tage vor der Hauptversammlung von Real Madrid hat sich Martínez Bravo als selbsternannter einziger unabhängiger Kandidat präsentiert. Er vertrete mehr als tausend Mitglieder und möchte in zwei Jahren zu den Präsidentenwahlen gegen Calderón antreten. Dem er vorwirft, sowohl die Finanzen (angebliche Schulden: 511 Mio. Euro) als auch das Ansehen des Vereins verkommen lassen zu haben. »Früher hätten die Spieler gemordet, um zu Real wechseln zu können. Heute lehnen sie dankend ab«, so der Oppositionsführer. Auf der Hauptversammlung vom 7. Dezember konnte Martínez Bravo seinen Vortrag übrigens ungestört halten, ganz im Gegenteil zur Calderón-Fraktion. Es folgten Schreiduelle verärgerter Vereinsmitglieder mit den Ultras Sur, die ihren Präsidenten stimmgewaltig verteidigten und Rücktrittsaufforderungen mit »Presidente«-Sprechchören niederschrien. In einem Interview mit der Radiostation Cadena Ser behauptet Calderón, die Ultras hätten ihn aus freien Stücken unterstützt, sie »sind gekommen, weil sie dachten, dass sie mich verteidigen müssen.« Wers glaubt.

 

Die Liste der Verfolger Calderons ist unglaublich lang und bei weitem nicht alle, die schon Mal die Klingen mit dem streitbaren Anwalt gekreuzt haben, sind hier angeführt. Da Calderón jeden dargebotenen Fehdehandschuch begeistert aufnimmt, ist dies auch schier unmöglich.


Nachdem Calderón die Hauptversammlung überstanden hat und er seinen Kritikern Schuster zum Fraß vorgeworfen hat, ist vorerst Ruhe eingekehrt. Doch wollten viele lieber die Köpfe des Präsidenten und des Sportdirektors rollen sehen und wenn Mijatovi nicht bald einen sensationellen Transfer auf die Beine stellt, wird er wohl als nächster geopfert werden.

 

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Rubrik: Aktuell
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