¡Vaya Semanitas! Die Schande I

cache/images/article_1072_gijon_140.jpg Vor über 25 Jahren haben Österreich und Deutschland die Schande nach Gijón gebracht. Wegen der Ultra Boys Gijón können die Asturier nun das Fremdschämen einstellen.
Hannes Gaisberger | 02.10.2008
Sporting de Gijón mischt nach zehn Jahren Abstinenz wieder in der Primera División mit. Das ist erfreulich, schließlich ist Sporting eine Traditionsmannschaft, die Spieler wie Angulo, Luis Enrique, den fünffachen Torschützenkönig »El Brujo«(der Hexer) Quini oder David Villá herausgebracht hat. Zudem ist das Stadion El Molinón, das heuer sein 100-jähriges Jubliäum feiert, trotz einiger Umbauten und Adaptionen die dienstälteste Spielstätte Spaniens. Das letzte Mal wurde El Molinón anlässlich der Weltmeisterschaft 1982 saniert, bei der auch jenes Vorrundenspiel der Gruppe 2 stattfand, das als »Schande«, »Schmach« oder »Nichtangriffspakt von Gijón« zweifelhafte Berühmtheit erlangt hat.

Nach dem 5. Spieltag liegt Sporting punktelos am Tabellenende der Primera División und hat empfindliche Niederlagen gegen die Großklubs Real Madrid (1:7) und FC Barcelona (1:6) einstecken müssen. Angesichts des knappen Budgets von Sporting Gijón, das etwa im Bereich von Rapid Wien liegen soll, kein Beinbruch. Der einzige Legionär im Sturm der rot-weißen Asturier ist übrigens Ex-Rapidler Mate Bilic.

Beschämend war das Auftreten etlicher Sporting-Fans in der ersten Runde gegen Getafe. Zu Beginn der zweiten Hälfte wurde jede Ballberührung des ecuadorianischen Getafe-Spielers Joffre Guerrón mit Beschimpfungen und Affenlauten begleitet. Referee Alfonso Pérez Burrull zögerte nicht lange und verlangte von den Verantwortlichen des Klubs, diese Aktionen zu unterbinden. Nach einer Lautsprecherdurchsage war dann auch Schluss mit der schiarchen Hatz.

Sporting-Präsident Manuel Vega Arango entschuldigte sich bei Guerrón und beteuerte, erst bei der Lautsprecherdurchsage Wind von den Vorgängen auf der Hintertortribüne bekommen zu haben. Der Verein wurde von der Liga mit einer Strafe von 3.000 Euro bedacht. In einer Erklärung vom 20. September weist Sporting auf seiner Homepage darauf hin, dass man keine xenophoben Äusserungen dulden werde und bei erneuten Vorfällen rechtliche Schritte und Stadionverbote einleiten werde. Gleichzeitig werden Präsident und Pressestelle nicht müde zu betonen, dass es sich bei den Rufern um eine verschwindend geringe Anzahl des Publikums handle.

So lobenswert das schnelle und entschlossene Einschreiten der Offiziellen von Sporting Gijón auch sein mag, allzu blauäugig darf man die Beteuerungen des Vereins nicht schlucken. Die politische Ausrichtung der seit 1981 aktiven Ultra Boys Gijón, die Schiri Pérez Burull in seinem Bericht als Urheber der rassistischen Schreie ausgemacht hat, könnten auch die Vereinsoberen im Lauf der Jahrzehnte überzuckert haben.

Auf ihrer Website präsentieren die Ultra Boys unzählige Bilder von Choreos, darunter auch etliche aus den 80er- und 90-er Jahren mit gut sichtbarer Hakenkreuz-Fahne exakt hinter dem Tor. Das mag zwar schon verjährt sein und die Ultra Boys treu und lautstark zu ihrem Verein halten was in Spanien keine Selbstverständlichkeit ist dennoch muss  Sporting Gijón Acht geben, will es in Zukunft lediglich sportlich negative Schlagzeilen schreiben. Damit Gijóns Schande weiterhin uns gehört.
ballesterer # 121

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