¡Vaya Semanitas! Koks, Koks, Bär, Koks

cache/images/article_1329_niedzwiedz_140.jpg Einmal, nur ein einziges Mal im Jahr darf man sich auch dem Boulevard widmen. Skandale und Aufreger des Jahres 2009 aus dem spanischen Fußball.
Hannes Gaisberger | 23.12.2009
Jänner: »Ciclón«
Bereits zu Beginn des Jahres hat die Operation »Ciclón« klar gemacht, dass Bauherren-Modelle, Tankstellen oder Trafiken als Alterversorgung für Kicker endgültig passé sind: Unter Anleitung eines Ex-Spielerberaters haben ein Ex-Spieler von Hércules Alicante und Carlos de la Vega vom Zweitligisten Rayo Vallecano in den Import von Zitrusfrüchten investiert. Es kam alles anders: die Polizei fand 600 Kilo Kokain in einer Windmühle. Im Hafen von Valencia hat man sich gewundert, wieso ein Zitrusfrucht-Importeur Windmühlenteile importiert. Eventuell mildernde Umstände für die Fußballer: sie sind nur als Finanziers aufgetreten.

Juni: Caminero
Einen weitaus delikateren Part hatte Caminero in jenem Drogenring inne, der im Sommer aufgeflogen ist. Caminero, Ex-Nationalspieler und Legende bei seinem Heimatklub Real Valladolid und vor allem bei Atlético Madrid, das der Spielmacher 1996 zum Double führte , wurde Geldwäsche vorgeworfen. Und wie El País berichtete, ist es tatsächlich verdächtig, wenn ein Mann, der über zehn Jahre in der Primera División gespielt hat und danach auch noch als Sportdirektor etwas verdient haben wird, immer wieder mit 30.000 Euro in kleinen Scheinen in der Bank auftaucht, die er vorzugsweise in Fünfhunderter gewechselt haben will. Insgesamt wurden 31 Personen festgenommen, die Kokain im großen Stil aus Mittel- und Südamerika eingeführt haben sollen.

September: Yogui
Real Valladolid, Camineros letzter Arbeitgeber, wird von einem seltsamen Trainingsgast besucht: Der Bär Yogui war auf Promo-Tour für einen Zirkus im Estadio José Zorilla. Yogui kann zugegebenermaßen gut trompeten und hat anstößige Gesten parat (ein Problembär?) in den Pyrenäen würde es ihm aber sicher besser gefallen als neben ihm unbekannten Kickern. Die gute Nachricht: diese Meldung hat nichts mit Kokain zu tun.

November: Schiri Izquierdo
Mit niederen Aufgaben wie Finanzierung oder Geldwäsche wollte sich der Ex-Schiedsrichter Pérez Izquierdo nicht zufrieden geben. Schließlich hatte der Baske an der Pfeife lang genug die zweite Geige gespielt. Ein mageres Erstligaspiel durfte er leiten, ansonsten immer zweite Liga oder darunter. Im November flog er als Kopf einer Bande auf, die Kokain aus Bolivien nach Spanien einführte und schließlich im Großraum Bilbao vertrieb.

Welche Urteile die in all diese Fälle verstrickten Protagonisten (den Bär einmal ausgenommen) erwarten, steht noch nicht fest. Darum geht es auch gar nicht. Vielmehr wird ein kleiner Eindruck dessen vermittelt, welches Ausmaß der Import und Vertrieb harter Drogen in Spanien bereits angenommen hat, wenn aktive und ehemalige Spieler in den Drogenhandel investieren, für ihn Geld waschen oder das Ganze gleich organisieren. Vom in Spanien extrem weit verbreiteten Konsum des Schnees einmal ganz abgesehen: es ist ein Riesengeschäft, und jeder will dabei sein. Womit wir wieder beim Fußball sind.

Referenzen:

Rubrik: Aktuell
ballesterer # 120

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 13.04.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png