¡Vaya Semanitas! Manolos Comeback

cache/images/article_1310_maolo_140.jpg Bei unserem ersten Aufeinandertreffen vor drei Jahren hatte Manolo noch das Image eines leicht verschrobenen Fans von Versagern. Drei Jahre später hat sich vieles, aber nicht alles geändert.
Hannes Gaisberger | 24.11.2009
September 2006: Ich besuche Manolo den wohl bekanntesten Fußballfan der Welt in seiner Bar in Valencia. Das spanische Nationalteam und sein umstrittener Teamchef Luis Aragonés stehen nach dem frühen WM-Aus im Achtelfinale und Problemen bei der EM-Qualifikation stark in der Kritik. Genau dieses unpopuläre und notorisch erfolglose Nationalteam feuert Manolo seit über 30 Jahren an. Wo immer es auch spielt, er ist dabei, »oft als einziger Fan. Die Selección hat nie ein Auswärtspublikum gehabt

November 2009: Manolo betritt die Lobby des Wiener Innenstadthotels, in dem der spanische Verband und viele Journalisten anlässlich des Ländermatches gegen Österreich untergebracht sind. Er ist bereits zur Mittagsstunde perfekt adjustiert in Jogginghose und Trikot, beides selbstredend in den Farben der Selección. Er wirkt erleichtert, seine »thirty years of hurt« sind beendet. Die Spanier haben seit unserem letzten Treffen nahezu jedes Spiel gewonnen und als Krönung im Sommer 2008 den Europameister-Titel in Wien geholt. »Das war die beste Zeit meines Lebens« sagt Manolo, und schiebt die wenig überraschende Begründung gleich hinterher: »Jetzt bin ich schon seit 37 Jahren mit dem Team unterwegs, und nie davor haben wir etwas gewonnen!«

Seine treue Unterstützung wirkt nun weit weniger kauzig, ohne jedoch viele Nachahmer auf den Plan zu rufen: »Es gibt schon mehr Begeisterung, aber außerhalb Spaniens fährt bis auf die Turniere trotzdem kaum jemand mit.« Die erkleckliche Zahl Spanien-Fans beim abendlichen Spiel im Happel-Stadion setzt sich laut Manolo vor allem aus in Österreich lebenden Spaniern zusammen.

Unvergesslich
An eine Mauer an Superlativen stößt man, fragt man Manolo nach der Finalnacht am 29. Juni 2008 im Prater: »Das war eine unvergessliche Nacht für mich«, sagt er, ohne ein konkretes Erlebnis zu benennen. Im Nachhinein scheinen die Wochen der EM in einem einzigen Rausch aufzugehen, und das, obwohl sich Manolo bei den alkoholischen Getränken stets sehr zurückhält. Seine Einnahmen aus Werbeverträgen bringt er nicht an den Theken dieser Welt durch, zu viel verschlingen schon die herkömmlichen Ausgaben des Allesfahrers. Und wenn ihm, wie vergangenes Jahr, eine größere Summe zur Verfügung steht, mietet er lieber neun Musiker, um eine kleine Kapelle um sich scharen zu können. 

»Ich hatte Musiker dabei, um ein bisschen Musik auf den Straßen machen zu können. Das wurde extrem gut aufgenommen.«  Und hat womöglich zum »espiritu de Neustift« beigetragen, jenem vielbeschworenen speziellen Geist, der sich im Stubaital zusammengebraut haben soll. »Für mich war es eine unvergessliche Zeit«, stapelt Manolo tief, »man hat für uns Unterkünfte bereitgestellt, und als mir am Ende der EM das Geld für die Kapelle ausgegangen ist, sind die von der Tirol-Werbung freundlicherweise eingesprungen. Dafür bin ich sehr dankbar, das kannst du so schreiben.« Um so mehr ärgert es ihn, dass er heute die falsche Trommel dabei hat. »Kannst du mir nicht einen Tirol-Aufkleber besorgen?«

Perspektiven
Dass es mit dem Umzug des Valencia CF aus dem Mestalla-Stadion doch länger dauert, als wir 2006 noch angenommen hatten, liege vor allem an der »crisis«. Obwohl das bedeutet, dass nun sein Lokal noch länger in Stadionnähe bleibt, würde er sich wünschen, dass das neue, schöne Stadion bald fertig wird. Mit der Bar dorthin ziehen will er allerdings noch immer nicht.

Und auch ans Aufhören verschwendet Manolo trotz des Titels ebenfalls keine Gedanken. Im Gegenteil: er denkt ans langfristige Weitermachen. Da sein Trikot seit jeher die Nummer 12 ziert, wäre es nur konsequent, mit der Selección an zwölf Weltmeisterschaften teilzunehmen. »Nächstes Jahr werde ich 62 Jahre alt, Südafrika wird meine achte WM-Teilnahme.« Das bedeutet, dass Manolo frühestens mit 78 in Fan-Ruhestand gehen kann.

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Rubrik: Aktuell
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