¡Vaya Semanitas! - Modesto Hansi

cache/images/article_1190_hansee_140.jpg In Spanien wundert man sich, wieso der »Goleador« nur das Mittelmaß (den LASK) trainiert. Einen Verein der Primera División würde man Hans Krankl aber trotz Legendenbonus und passablen Spanischkenntnissen nicht anvertrauen.
Hannes Gaisberger | 27.03.2009
Der »Ex-Blaugrana Hansi Krankl« kehrt nach vier Jahren auf die »banquillos« zurück, und zwar bei »un modesto equipo austríaco«, meldeten Marca und Sport unisono Anfang dieser Woche. Während dieses Gespann hierzulande eher Erheiterung denn Verwunderung auslöste, erscheint das Engagement des Torschützenkönigs von 1979 den Spaniern als etwas gar bescheiden für einen Mann vom Format Krankls. Das mag einerseits daran liegen, dass der spätere »Nachtfalke« in seiner Zeit beim FC Barcelona tatsächlich ein Klassespieler internationalen Zuschnitts war. Andererseits könnte es natürlich sein, dass Krankl bei Besuchen in Barcelona zu dick aufträgt, was seine Karriere nach der aktiven Spielerzeit betrifft. Man denke nur an Toni Polsters Interview in AS vom September 2008, als er sich als »Fernseh-Analytiker, Pop-Rock-Star und Nr.1 in der Werbung« stilisierte.

Eines muss man Johann K. aber lassen: Sein Spanisch ist nach all den Jahren durchaus respektabel. Genau genommen wirkt er sogar ziemlich sympatisch, wenn er mit einem Akzent, der noch heute gern von österreichischen Touristen und Erasmus-Studenten verwendet wird, von früher erzählt. Von der WM 1978 natürlich, bei der er aber Sensation! einen Hauch Selbstkritik mitklingen lässt. Nach dem starken Auftreten des österreichischen Nationalteams in der Gruppenphase (Siege gegen Spanien und Schweden) habe man gegen die Niederlande in der zweiten Runde das Spielfeld wie »chulos« betreten. Für dieses schöne Wort gibt es Entsprechungen von A (Angeber) bis Z (Zuhälter), Selbstüberschätzung war jedenfalls mit im Spiel. Niederland hat übrigens 5:1 gewonnen.

Auch wenn hier Musik und Outfit stark an einen Krimi mit einem vom Dienst suspendierten Cop erinnern: es ist Krankl, und er spricht über einen Autounfall in Barcelona, bei dem sich Gattin Inge schwer verletzt hat. In Folge habe er die katalanische Mentalität und Herzlichkeit kennenlernen dürfen, so »Hansi« weiter. Und wieder wirkt der selbstbewusste Wiener unglaublich entspannt und sogar ein bisschen liebenswert. Was eine andere Sprache alles bewirken kann!

Und obwohl Krankls Wohlergehen in Barcelona bis heute mit Interesse verfolgt wird: einen Trainerjob würde man ihm deshalb noch lange nicht anbieten. Zwischen der aktiven Karriere und jener auf den »banquillos« wird in Spanien strenger als anderswo unterschieden, wovon auch Hristo Stoitchkov ein Lied singen kann. »El Pistolero« hat sich mit einem kurzen und erfolglosen Engagement bei Celta Vigo (von April bis Oktober 2007) seine Chancen auf einen Betreuerposten in der Primera División ordentlich verbaut. Und auch »Hugol« Sánchez muss sich in La Liga erst einen Namen als Trainer erarbeiten, wovon sein Engagement beim modesten UD Almería zeugt. Und wenn er dort nichts »reisst«, kann sich der fünffache Torschützenkönig die Primera División wieder von außen ansehen. So wie unser Modesto Hansi.

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