¡Vaya Semanitas! Thats not their name!

cache/images/article_1221_montes02_140.jpg Zum Spitznamenhasser binnen 90 Minuten: der spanische TV-Kommentator Andrés Montes machts möglich. Sein inflationärer Gebrauch vergällt einem die Freude an der liebgewonnenen Tradition. Eine eindringliche Warnung vor Comedians als Live-Kommentatoren.
Hannes Gaisberger | 14.05.2009
Früher war alles anders. Einen Spitznamen bekamen nur herausragende Spieler. Und er wurde selten erwähnt, quasi als Metaebene der besonderen Wertschätzung. Der »blonde Pfeil« Alfredo Di Stefano etwa, »Principe« Enzo Francescoli oder »Spillo« - »die Nadel« - Alessandro Altobelli. Oftmals hat sich der Spitzname phonetisch am tatsächlichen Namen angelehnt, wie bei dem »Geier« »El Buitre« Emilio Butragueño. Manchmal wurden aber auch vermeintliche Charaktereigenschaften herangezogen, was Stuart Pearce zum »Psycho« machte.

Bedenklich wurde es, als sich Fans und vor allem Medien nicht mehr auf einen Beinamen eingen konnten. So geschehen beim »Non-Flying Dutchman« Dennis Bergkamp alias »God«, »Iceman«, »Dennis the Menace«, »The Dutch Master«, »Bergy« und »Beavis«. Derartige Vielnamerei war man bis dato nur von Prince und Puff Daddy gewöhnt wie auch immer sie sich momentan nennen mögen.

Ganz schlimm ist es aber erst, seitdem Andrés Montes das Mikro beim spanischen TV-Sender La Sexta ergriffen hat. Der ohnehin bedenklich witzig aussehende Spanier (eine Mischung aus Ghandi und Dirk Bach inklusive lustiger Fliege) teilt wahl- und zusammenhangslos die haarsträubensten Spitznamen aus und tituliert die derart gestraften Spieler zu allem Überfluss auch noch das gesamte Spiel hindurch mit ihrem neuen Alias.

Carles Puyol ist plötzlich ein Hai (tiburón), Xavi Hernández wird Humphrey Bogart (sprich: Chamfrey Bogar) und Dani Alves MotoGP. Ein Spielzug des FC Barcelona hört sich dann wie folgt an: »Hai auf MotoGP, MotoGP zurück zum Hai, weiter zu Chamfrey Bogar, der gibt ab auf El Quijote (Andrés Iniesta), wieder zurück zu Chamfrey Bogar...« Gegner Valencia hat übrigens den sinnigen Namen »heavy paella«.

Mit den Spitznamen ist es wie mit dem Schnaps. Da und dort zur rechten Zeit höchst angebracht im Übermaß allerdings hirntötend. So wird das schönste Fußballspiel zur Freakshow-Parade mit Gaggarantie. »Fútbol con Fatatas« nennt Señor Montes sein Programm, und manche scheinen den »genialen Spaßfußball« ja zu mögen. Ich nicht.

Ständige Penetration mit Spitznamen hat in Wahrheit ebenso wenig in einem Live-Kommentar zu suchen wie Prosecco-Pegelstandsmeldungen aus der VIP-Lounge. Bleibt zu hoffen, dass dieser spaßkulturelle Trend nicht auch in hiesigen Breiten einreißt. Unsere Kommentatoren sind - ob gewollt oder ungewollt - ohnehin meist witziger als unsere Comedians.

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Rubrik: Aktuell
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