Verachtet, verspottet, gefürchtet

cache/images/article_1434_nordkorea_140.jpg WM-BLOG Nordkorea! Ausgerechnet Nordkorea! Von der Welt verachtet, verspottet, gefürchtet. Auch unter der Amtszeit von Friedensnobelpreisträger Barack Obama immer noch Bestandteil der Achse des Bösen. Und über so einen Schurken soll man bloggen? Ja! Genau deswegen, trotz alledem.

Armin Pfingstl | 15.06.2010
Man konnte das Schenkelklopfen nahezu spüren, als der Nachrichtensprecher des ehemaligen Wirtschaftsenders n-tv süffisant anmerkte, dass Nordkorea aus Ermangelung von Fans vor Ort, 1.500 chinesische Schlachtenbummler zwecks Support anheuern will. Anderseits schafft es der Umstand, dass Nippons Ultras sich großzügig von Konzernen für ihre Choreographien sponsern lassen, nicht in die Redaktionsstuben des Endlosschleifen abspielenden »Nachrichtensenders«.

Doch nicht nur medial erfährt Nordkorea eine spezielle Behandlung: Anhänger des Ministerpräsidenten von Simbabwe Tsvangirai verhinderten zwar ein Trainingslager der Nordkoreaner ebendort, legten aber kein Veto ein, dass sich der Fußballverband ein Freundschaftsspiel gegen Brasilien leistet, das dem chronisch unter Geldmangel leidendem Land eine Lawine kostet. So blieb das Testspiel gegen Nigeria in Johannesburg das letzte aufschlussreiche Resultat in der Vorbereitung. Dieses Spiel, das mit 1:3 verloren ging, war allerdings durch eine Massenpanik im Makhulong Stadion überschattet. Davor spielte Nordkorea gegen Griechenland in Altach 2:2. Gegen Venezuela, Mexiko und Paraguay setzte es jeweils Niederlagen mit einem Tor Differenz und gegen Südafrika ein 0:0. Eher durchwachsen also, was auch dazu führt, dass Nordkorea mit einer 2000:1 Quote für den WM Titel geführt wird. Noch schlechter als 1966, als sie als 1000:1-Außenseiter ins Viertelfinale kamen.

Die beiden Tore gegen Griechenland scorte der Star des Teams Jong Tae-se, sofern man in diesem homogenen Kollektiv überhaupt von Stars sprechen kann. Er ist ein in Japan geborener Koreaner dritter Generation und kam über die Absolvierung einer nordkoreanischen Universität in Japan zum Entschluss, für Nordkorea anzutreten. Er spielt bei Kawasaki Frontale und hat den Spitznamen »asiatischer Wayne Rooney«. Ein anderer auffälliger Spieler sollte Hong Young-jo sein, der über den nordkoreanischen Armeeklub 25. April den Sprung zuerst in die serbische erste Liga und dann in die höchste russische Liga zu Rostov schaffte.

Am 15. Juni wartet Brasilien. Glück Auf »Tschollima«! Ihr habt keine Chance, also nutzt sie gefälligst!
ballesterer # 121

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png