Verdient gewinnt, wer gewinnt

cache/images/article_1070_augustincu_140.jpg Zwei Wochen vor der Nationalratswahl holt der ballesterer fm als klarer Außenseiter seinen ersten Titel bei einem Fußballturnier. Ein Zusammenhang ist trotzdem nicht ersichtlich. Wozu auch?
Der Titelgewinn des ballesterer fm beim diesjährigen Augustin-Cup ist vor allem ein Beweis für gelungene Integration. Vier Oberösterreicher, drei Niederösterreicher und der Integrationsbeauftragte aus Wien harmonierten über die gesamte Spielzeit blendend miteinander und werden in Zukunft auch privat was miteinander essen gehen.

In fast blindem Verständnis wurden die Gegner in der Vorrunde ausgespielt, einzig das 0-0 gegen die leichenblasse  Friedhofstribüne des Wiener Sportklub fiel eindeutig zu niedrig aus. Trotzdem konnte der ballesterer fm sich am Schluss an die Tabellenspitze setzen und traf so im Halbfinale auf seinen Lieblingsgegner, das Literatur-Nationalteam.

Mit dem alten Schlachtruf "An Liter Atur" auf den Lippen wurden die Schrift-Steller ein ums andere Mal umkurvt, die ballesterer-Schützen schrieben das Vor- und Nachwort des Spiels und überließen dem Gegner nur die Rahmenhandlung. So kurz vor ihrem wichtigen Auswärtsspiel in Frankfurt zeigten Österreichs Literaten abermals eklatante Schwächen in Stil und Form.

Zurück zum Turniergeschehen: Nachdem sich die Mannschaft des ballesterer fm erfolgreich ins Finale getrickst hatte, stand nun mit dem Torpedo Jesuitenwiese (gespickt mit Stars der Peace Kicking Mission) ein übermächtiger Gegner zwischen ihr und dem Pokal. Doch wer die Schreibblockade kennt, dem ist auch die Spielblockade nicht fremd und so wurden die dreifachen Abwehrreihen von allen sechs Feldspielern zwölf Minuten lang dicht gehalten, auf dass dem einen oder anderen Peacenik das deskalierende Lächeln auf den Lippen einfror.

Beim anschließenden Siebenmeterschießen gingen die Ballesterer auf die gehaltlosen Einwände der Gegner ("Ungerecht!", "Eine Schande für den Fußball", "Wehe, ihr freuts euch noch!") nicht weiter ein und verwandelten mit Eiseskälte, während Torhüter Dominik "Metronom" Sinnreich alle Hoffnungen der nun mehr gar nicht friedlichen Torpedo-Kicker zunichte machte. Ungeniert wälzten sich die Spieler des ballesterer fm nach dem entscheidenden Siebener am Rasen, während das Publikum betreten schwieg. Uns doch wurscht, denn es zählt die alte Rehhagel-Weisheit: Verdient gewinnt, wer gewinnt.

ballesterer # 120

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 13.04.2017.

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