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Versteckte Vorbereitung

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WM-BLOG Brasilien ist bereit für die Weltmeisterschaft - mit aller Widersprüchlichkeit, die das Turnier mit sich bringt. In Rio hat Martin Curi in den letzten Tagen vor der WM beobachtet, dass sich die schlechte Stimmung langsam hebt.

"Hallo Martin, ich möchte dich zu unserem Grillnachmittag zum Auftaktspiel der WM einladen." - Solche oder ähnliche Anrufe bekomme ich im Moment ziemlich viele. Meist wird eine Klage über die schlechte Stimmung oder die Weltmeisterschaft im Allgemeinen nachgeschoben. Ich lege dann immer den Hörer auf und denke über den ganz offensichtlichen Widerspruch nach. Unter den Einladungen sind auch gerade die Leute aus meinem Freundeskreis, die in den letzten Monaten als die schärfsten Kritiker der Geldverschwendung der WM Brasilien aufgefallen sind.

Ich nenne die aktuelle Phase der WM-Stimmung die "versteckte Vorbereitung". Es ist eindeutig nicht politisch korrekt, sich öffentlich positiv zur WM zu äußern. Das führt dazu, dass oberflächlich betrachtet die Stimmung in Brasilien am Boden ist. Es traut sich auch niemand, öffentlich Position zu beziehen, so hängt die FIFA keine WM-Fahnen auf, der sonst übliche Straßengestaltungswettbewerb blieb aus, und seit Monaten hört man keine Politikerstimmen mehr zum Thema Weltturnier.

Gleichzeitig erzählten mir aber alle meine Nachbarn, dass sie sich, trotz der Kritik, für Tickets beworben haben. Heimlich, still und leise wurden dann doch Fahnen aufgehängt und die Straßen geschmückt. Das letzte Wochenende wurde intensiv zur Straßengestaltung genutzt, und man sieht jetzt nur noch wenige Autos ohne Nationalfahne. Dazu passen dann auch die Einladungen zu den traditionellen WM-Grillnachmittagen. Das WM-Fieber ist eindeutig angekommen, und Brasilien erstrahlt jetzt in Grün und Gelb.

Die wichtigste Sehenswürdigkeit meines Stadtteils Santa Teresa in Rio de Janeiro ist die historische Straßenbahn. Sie hatte vor drei Jahren einen schweren Unfall und fährt seitdem nicht mehr. Sie ist das Thema der lokalen Straßengestaltung. An einer Hauswand kann man ein Gemälde sehen, auf dem die Spieler der "Seleção" in der Straßenbahn stehen. Zwischen Spieler Marcelo und Nationaltrainer Scolari erkennt man den Zugführer, der bei dem Unfall ums Leben kam. Bezeichnend ist aber, dass die Straßenbahn von Hulk gezogen wird, als ob das brasilianische Transportsystem die Zugkraft der Nationalmannschaft brauchen würde.

Vielleicht ist es das Bild dieser WM: Brasilien hofft darauf, von seiner "Seleção" in eine bessere Zukunft gezogen zu werden. Die Brasilianer glauben inzwischen mit ziemlicher Euphorie an den Erfolg ihrer Mannschaft. Von ihr wird der Titel erwartet. Nicht auszumalen, was es bedeutet, wenn es schiefgeht.

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Referenzen:

Rubrik: WM-Blog 2014
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