Violett wäscht sich weiß

Schon seit Längerem hatte sich die Wiener Austria mit dem Vorwurf konfrontiert gesehen, zu wenig gegen die rechtsextremen Umtriebe im Umfeld ihrer Osttribüne zu unternehmen. Am 23. Jänner entschlossen sich die Klubmitglieder zu Maßnahmen, um dem Problem Herr zu werden.
Mario Sonnberger | 24.01.2013

Bei der Generalversammlung des FK Austria Wien wurden nicht nur Formalitäten wie die Wiederwahl von Präsident Wolfgang Katzian und die Bestellung des Kuratoriums erledigt. Der Verein setzte auch Schritte, was das seit Jahren virulente Problem rechtsradikaler Gruppen auf der Osttribüne betrifft. So wurde ein entschlossenes Vorgehen gegen Rassismus, Faschismus und Antisemitismus in den Statuten verankert. In Konsequenz bedeutete das auch das formelle Aus für den Fanklub »Unsterblich« (Ust), aus deren Reihen die prominentesten Vertreter der neuen rechten Welle in der Austria-Fanszene kamen. Der Gruppe wurde der Status als Fanklub offiziell aberkannt, ihre Transparente sollen nicht mehr zugelassen werden. Damit entfernt sich der Verein auch von einer ethischen Grauzone. Schließlich präsentierte Ust lange ein Transparent im »Blood & Honour«-Design, das einst als Kompromiss in eine violette doch nicht minder aussagekräftige Version umgestaltet wurde. Kritiker sahen darin jedoch nicht mehr als eine Alibiaktion; schließlich sah man das Original in den »Blood & Honour«-Farben regelmäßig auf T-Shirts und Schals auf der Tribüne.


Unabhängig davon sprach die Austria nach eigenen Angaben gegen rund 20 Personen Hausverbote aus. Hintergrund ist eine vom Klub kommunizierte »Drei-Punkte-Regelung«, die sich gegen Gewalt, Pyrotechnik und reichlich salopp formuliert »Politik im Stadion« wendet. Im Zuge dessen soll nicht nur rechtsradikale Symbolik verschwinden: Auch das Transparent »Gruppe Stadionverbot« und ACAB (All Cops Are Bastards)-Botschaften sind dem Klub ein Dorn im Auge. Und schließlich bestätigt der Verein Anträge für bundesweite Stadionverbote, die vom Senat 3 der Bundesliga gestellt werden. Das verlängert eine durchaus prekäre Situation: Schon vor der Winterpause stellten die auf der Osttribüne federführenden »Fanatics« teilweise den Support ein, weil das Verbot einen ihrer Vorsänger betraf. Bleiben Verein und Liga hart und kann der Ausschluss exekutiert werden fehlt der Tribüne bis auf Weiteres eines ihrer bekanntesten Gesichter.


In Summe bestätigen die vor der Generalversammlung gesetzten Schritte Austria-Manager Markus Kraetschmer, der zu mehreren Gelegenheiten unter anderem auch bei einem Club 2x11 (Podcast Teil 1, Teil 2) zum Thema Rechtsextremismus entschlossenes Vorgehen gegen die bekannten Probleme angekündigt hatte. Auch Klubservice-Leiter Michael Kohlruss hatte in einem Interview auf der Vereinswebsite vor Weihnachten davon gesprochen, dass Personen, die »den Weg der Austria nicht mitgehen«, keinen Platz im Stadion finden würden. 


Ideell hat die Austria den ersten Schritt gemacht, um die braunen Flecken allmählich aus der Fanszene zu waschen. In der Realisierung der eigenen Ansprüche wartet noch viel Arbeit auf den Klub, denn schon bisher wurden rechtsextreme Botschaften verurteilt, aber nicht verhindert. Der Schongang scheint vorüber jetzt kommt die Tiefenreinigung.

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