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Vom Beißen und vom Schießen

cache/images/article_2309_dscn1980_140.jpg WM-BLOG Die Bissattacke von Luis Suarez beim 1:0-Sieg Uruguays über Italien dominierte am Tag danach auch die Diskussionen in Brasilien. Für den Stürmer dürfte die WM vorbei sein. Davon abgesehen tritt mit seinem neuerlichen Aussetzer auch ein Fall aus seiner Jugendzeit ans Tageslicht, der einen Reporter fast das Leben kostete.

So weit wie der Daily Telegraph wollten sie dann doch nicht gehen. "Ban this monster" betitelte die britische Tageszeitung ihre Story über den "Vampir von Natal" nach dessen Bissattacke gegen Giorgio Chiellini zehn Minuten vor dem Ende der Partie gegen die Italiener, die durch die Niederlage nach 1962 und 1966 zum zweiten Mal in zwei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften nach der Vorrunde die Heimreise antreten mussten.

 

Aber auch das brasilianische Sportblatt Lance versah die Schlagzeile "Beijinho no ombro" (Das Küsschen auf die Schulter) mit ein paar Blutstropfen und zeigte in einer Karikatur, wie sich die deutlich überzeichneten Hasenzähne von Suarez in das Achtelfinale verbeißen.

 

Wiederholungstäter
Im Blattinneren wurden penibel die früheren Vergehen des scheinbar Unbelehrbaren aufgelistet: Der erste Biss im Ajax-Dress gegen den PSV-Verteidiger Otman Bakkal 2010 und jener gegen Chelseas Ivanovic aus dem April 2013, ergänzt von der rassistischen Insultierung von Patrice Evra im Oktober 2011. Dazu ein buntes Potpourri aus anderen Sportarten - von der Beißattacke von Schwergewichtsweltmeister Mike Tyson gegen Evander Holyfields Ohr bis zum australischen Rugby-Spieler Anthony Watts, der einen Gegner 2013 in den Penis gebissen haben soll und dafür für acht Spiele gesperrt wurde.  

 

(K)eine Jugendsünde
Der Akt von Suarez ist aber noch länger und abenteuerlicher als gemeinhin bekannt. Denn schon 2003 versetzte der aus sehr einfachen Verhältnissen stammende Suarez als 16-Jähriger bei einem Jugendspiel in Diensten von Nacional Montevideo dem Schiedsrichter nach einem Ausschluss einen Kopfstoß. Der Fall hatte ein kriminalistisches Nachspiel, denn ein Nacional nahestehender Funktionär des uruguayischen Verbands namens Nelson Spillman wollte den Eklat verschleiern.

Allerdings wurde daraus nichts, weil der Schiedsrichter sich von den Drohungen nicht beeindrucken ließ und ein Journalist die Geschichte publizierte. Nelson Spillman und sein Bruder schickten dem Reporter daraufhin einen Killer auf den Hals, dessen Mordanschlag allerdings scheiterte. Die beiden Auftraggeber sowie der Schütze, der den Journalisten bei dem Attentat verletzte, wanderten ins Gefängnis. Allerdings fand der Name Suarez in dem Prozess aufgrund mysteriöser Umstände keine Erwähnung.  


Ähnlich weitreichende Konsequenzen wird der Biss in Chiellinis Schulter wohl nicht haben. Die FIFA hat dem uruguayischen Verband sowie Suarez bis Mittwoch, 17 Uhr brasilianischer Zeit, die Möglichkeit eingeräumt, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Anschließend wird sich das FIFA-Disziplinarkomitee mit dem Fall beschäftigen. Dass Suarez zumindest für die restlichen Spiele von Uruguay gesperrt wird, ist wahrscheinlich. Denn er ist ein Wiederholungstäter und, wie es der schwedische Kollege Henrik Jönsson, treffend ausdrückte: "Fußball spielt man nicht mit den Zähnen.

 

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Referenzen:

ballesterer # 120

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Der nächste ballesterer fm erscheint am 13.04.2017.

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