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Von wegen Todesgruppe

cache/images/article_2303_fussballimpression_(02)_140.jpg WM-BLOG Costa Rica bucht nach dem zweiten vollen Erfolg sensationell das Achtelfinalticket. Die Elf von Jorge Luis Pinto lässt nach Uruguay auch Italien rat- und punktelos zurück. Warum sich ein Plan fast immer auszahlt.
Marcel Ludwig | 20.06.2014

Italien und Uruguay, England und Uruguay, England und Italien. Vor dem Turnier herrschte in Bezug auf die WM-Gruppe D nur in einem Punkt Einigkeit: Costa Rica tritt mit null Punkten als Tabellenletzter die Heimreise an. Die drei Ex-Weltmeister machen den Aufstieg unter sich aus, so der allgemeine Tenor. Doch nicht nur ihre Gegner haben die Rechnung ohne die Mannschaft aus Mittelamerika gemacht. Die Costa Ricaner gewinnen sowohl gegen Uruguay als auch gegen Italien. Mit 4:1 Toren und sechs Punkten ist das Achtelfinale schon nach zwei Partien fixiert. England fix draußen, Uruguay und Italien mit dem Endspiel um den zweiten Aufstiegsplatz.


Italiens Coach Cesare Prandelli stand am Freitag nach der 0:1-Pleite seiner Azzurri ratlos und verzweifelt vor seiner Ersatzbank. Sein Team hatte über 90 Minuten kein Mittel gegen die überraschend hoch pressenden Costa Ricaner gefunden. Deren kolumbianischer Coach Jorge Luis Pinto hatte seine "Ticos" zum zweiten Mal perfekt auf den Gegner eingestellt. So fand die Mittelfeldzentrale mit De Rossi und Pirlo selbst dann nur wenig Raum, wenn man sich hinter die eigene Viererkette zurückfallen ließ. Bereits bei Ballbesitz Buffon wurden so schnell wie möglich alle Anspielstationen zugestellt. Die Folge waren oft verzweifelt wirkende weite Pässe in die Spitze oder der umständliche Weg hinten herum. Dass Coach Prandelli im Vergleich zum England-Spiel gleich fünf Neue in die Startformation beordert hatte und das System insgesamt ein wenig offensiver ausgelegt war, erwies sich in der Nachbetrachtung zusätzlich als wenig förderlich.


Die defensiv mit Fünferkette und geschickt verschiebenden Mittelfeldspielern agierenden Außenseiter suchten indes bei Ballgewinn stets den direkten Weg nach vorne. Die Außenspieler rückten, zumindest die ersten 70 Minuten, stets umgehend mit auf und ermöglichten so immer wieder gefährliche Nadelstiche in Richtung des Kastens von Gigi Buffon. So fiel das einzige Tor des Tages auch nicht etwa aus einem Konter - ein solcher hätte nach einem Fehler von De Rossi nur zwei Minuten zuvor eigentlich zu einem Elfer für die "Ticos" führen müssen - sondern aus einer schönen Hereingabe, bei der Mainz-Legionär Junior Diaz den Kollegen Bryan Ruiz ideal im Rücken der Innenverteidigung bediente und der via Querlatte zum einzigen Tor der Partie einnickte.

 

Italiens Antwort ließ in den zweiten 45 Minuten vergebens auf sich warten. Die Stürmer hingen oftmals in der Luft und verstrickten sich in wenig durchdachten Einzelaktionen, der eingewechselte Antonio Cassano brachte keinen Pass zu seinen Mitspielern. Ohne das nötige Tempo war es Costa Rica ein Leichtes, das Kurzpassspiel von Pirlo und Co. zuzustellen. Den italienischen Fans unter den knapp 40.000 Zuschauern in der nicht ganz ausverkaufen Arena Pernambuco von Recife war die Fassungslosigkeit nach dem Schlusspfiff genauso ins Gesicht geschrieben, wie ihren geschlagenen Helden auf dem grünen Rasen.


Grenzenloser Jubel dagegen bei den "Ticos". "Costa Rica bringt die Todesgruppe um und zieht ins Achtelfinale ein", jubelt etwa das Boulevard-Blatt El Dia. Noch lauter werden wohl die Jubelarien auf Trainer Jorge Luis Pinto ausfallen. Der 1,65 Meter kleine selbsternannte Taktikfuchs macht in der Coaching-Zone fast ebenso viele Kilometer wie seine Spieler auf dem Platz. "El Explosivo" hatte seiner Mannschaft bereits in der Quali - selbst gegen vermeintlich schwächere Gegner - ein enges taktisches Korsett mit Fünferkette verordnet und erntet nun bei der WM die Früchte seiner Arbeit. "Never change a winning team", ein Motto, an dem vielleicht auch der italienische Coach festhalten sollen - aber im Nachhinein ist man immer gescheiter.

 

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