Wacker Innsbruck - Lebt die Legende?

cache/images/article_1189_wackerinns_140.jpg Die Mitglieder des FC Wacker Innsbruck entscheiden bei der anstehenden Generalversammlung am 16. April wieder einmal über die Zukunft des Vereins. Ein neuer Vorstand muss installiert werden. Der FC Wacker ist seit dem Abgang des Altobmanns Gerhard Stockers im April 2008 praktisch führungslos.
Thomas Gassler | 24.03.2009
Die Geschichte des wackeren Mitgliedervereins ist viel diskutiert, heiß umstritten und bewegt die Gemüter seit 2002. Die Lehren aus dem Untergang des sportlich erfolgreichen FC Tirols ermöglichten einen kompletten Neuanfang: Durch die Installierung eines Mitgliedervereins als übergeordnetes Kontrollorgan sollte zukünftigen finanziellen Himmelfahrtskommandos übermotivierter Präsidenten und Manager vorgebeugt werden. Initiator dieses neuen Wegs war der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter. Der ehemalige Vizebürgermeister und Sportreferent der Stadt Innsbruck, Michael Bielowski, stellte sich als erster Obmann zur Verfügung. Durch einen breit gefächerten Vorstand erhofften sich die Verantwortlichen den notwendigen Rückhalt. Neben den neuen Vorstandsmitgliedern um Gerhard Stocker waren von Anfang an erfahrene Wacker-Funktionäre - u.a. Ex-Präsident Erwin Steinlechner und mit Oswald Wolkenstein auch der langjährige Fanbeauftragte mit an Board.

 

Sportlich gelang dem FC Wacker in Mindestzeit der Durchmarsch von der Regionalliga West in die Bundesliga, im Hintergrund taten sich aber zwei Problemzonen auf: Einerseits forderten zahlreiche Fans die Umbenennung des als FC Wacker Tirol gegründeten Vereins in FC Wacker Innsbruck. Die Mitglieder beriefen eine außerordentliche Generalversammlung ein, und machten von ihrem Recht auf Mitbestimmung Gebrauch, um die Namensdiskussion endgültig zu gunsten Wacker Innsbrucks zu klären. Andererseits sorgten mündliche Zusagen der Politik, die vorerst nicht eingehalten wurden, für vorstandsinterne Unstimmigkeiten. Die erfahrenen und bereits aus früheren Tagen leidgeprüften Vorstandsmitglieder rund um Steinlechner waren nicht bereit, persönliche Haftungen zu übernehmen, und traten zurück. Wolkenstein und ein zweites fannahes Vorstandmitglied schieden ebenfalls aus.

 

Die Angst vor den Mitgliedern

Obmann Gerhard Stocker und sein Team suchten den Dialog mit den Mitgliedern. Die Namensdiskussion (zum Thema: Manda, hört die Signale!) konnte, nachdem gemeinsam eine nachhaltige und ganzheitliche Lösung erarbeitet wurde, erst 2007 beendet werden. Die finanziellen Probleme wurden aber nicht gelöst, ganz im Gegenteil. Gerhard Stocker, der nun alleine mit 800.000 Euro seines Privatvermögens haftete, wurde von Politik und Großsponsoren immer wieder vertröstet und versetzt. Ein zermürbendes Spiel auf Zeit begann. Der Hintergrund ist schnell erklärt: Die Tiroler Politik und landesnahen Sponsoren waren die Mitbestimmungsrechte der Mitglieder bald ein Dorn im Auge. Immerhin waren sie »die Hüter der Vereinsphilosophie«, wie im schwarzgrünen Markengrundbuch festgehalten ist. Der Einfluss auf das operative Geschäft lag natürlich bei null.

Die offensichtlich nicht ganz unabhängige Tiroler Tageszeitung verstärkte den Druck auf den FC Wacker und Obmann Gerhard Stocker. Höhepunkt der Kampagne: Der ehemalige FC Tirol Manager Robert Hochstaffl, rechtskräftig wegen Untreue zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, durfte Stocker in einen TT-Interview Tipps zur erfolgreichen Vereinsführung geben. Nach dem sportlichen Abstieg in die zweite Liga und der finanziellen Ungewissheit war der Rücktritt Stockers nur mehr Formsache. Die stufenweise Destruktion des Mitgliedervereins hatte begonnen. Als zweiten Schritt wurde den Mitgliedern des FC Wacker Innsbruck ein Wirtschaftsbeirat als neues Kontrollorgan vorgesetzt, der für die nachhaltige finanzielle Absicherung sorgen sollte.

 

Die Mitglieder gaben dem Beirat mit ihrer Stimme bei der GV 2007 eine Chance. Der Beirat, mit Nachdruck von höchsten Kreisen des Land Tirols gefordert, konnte seine erzwungene Installierung jedoch niemals rechtfertigen. Drei größere Sponsoren sprangen ab, weiterhin gab es nur mündliche Zusagen statt langfristige Verträge. Die letzte Tagung des Beirats liegt schon ein Jahr zurück. Der Protest der Mitglieder hielt sich in Grenzen. Gefragt sind sie ohnehin erst wieder bei der nächsten Generalversammlung, wenn sie einen neuen Obmann samt Team absegnen dürfen.

 

Es lebe der FC Tirol?

Die neuen Kandidaten stammen durchwegs aus Wirtschaftskreisen und gehören dem schwarzen Tiroler Establishment an. Sie sollen den Wacker wieder in sportliche Höhen führen. Die Alternativen fehlen wie gehabt , und deshalb wird der Vorstand die Stimmenmehrheit bekommen. Im Hintergrund wird, wie Insider munkeln, aber schon fleißig an der Auslagerung der Profiabteilung gearbeitet. Die Tage des Mitgliedervereins wären damit gezählt und alte Hierarchien, wie in FC Tirol Zeiten, wieder hergestellt. Schade um den FC Wacker Innsbruck. Denn immerhin zeigten die engagierten Fans mit dem Aufbau und der Führung des Wackerladens und den Webseiten des schwarz-grünen Netzwerks (Tivoli12), die sowohl in ehrenamtlicher Arbeit erstellt als auch betrieben werden, dass mit viel Herz und Liebe der Verein viel Entwicklungspotential besäße. Ein fruchtbares Miteinander im Sinne des Vereins scheint in Tirol (vorerst) nicht möglich.


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