Waldviertel statt Charlottenburg

cache/images/article_1348_duran_140.jpg Der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. In der Dezember-Ausgabe hat der ballesterer den gebürtigen Wiener Sargon Duran porträtiert, der sich bei Tennis Borussia Berlin in der deutschen Regionalliga für höhere Aufgaben empfehlen wollte. Doch bereits in der Winterpause musste Duran seine Pläne relativieren: die angespannte Finanzlage der Berliner zwang ihn zur Rückkehr zum SV Horn.
Mathias Slezak | 04.02.2010
1,3 Millionen Euro beträgt das Jahresbudget des aktuell Achtplatzierten der Regionalliga Nord, ausfinanziert ist es bei weitem nicht, weswegen die Spieler vor Weihnachten zwei Monate lang kein Gehalt gesehen haben. Für Duran Grund genug, der deutschen Hauptstadt den Rücken zu kehren, auch wenn Tennis Borussia die Hoffnung auf eine Finanzspritze noch nicht aufgegeben hat. »Das Projekt TeBe, Fußball in der Hauptstadt, ist interessant für Geldgeber im In- und Ausland«, sagte Vorstandschef Mario Weinkauf kurz vor Jahreswechsel zur Berliner Zeitung, gestand aber auch ein: »Ohne strategischen Partner ist die Regionalliga ein Fass ohne Boden, in dem es nur darum geht, sich von Monat zu Monat zu hangeln.«


Die Anhänger des Klubs rund um den früheren Fanbeauftragten Denis Roters wollen sich jedoch nicht mit Warten zufrieden geben und haben die Initiative »We save TeBe« gegründet. Mit Aktionen wie Musikabenden, einem Weihnachtsstand sowie dem Verkauf von »Saving TeBe«-T-Shirts versuchen sie, Geld für ihren Verein aufzustellen. Einige tausend Euro sind bereits zusammengekommen, auch bekannte Personen wie Ansgar Brinkmann und Rudi Gutendorf wollen ihrem Ex-Verein aus der Patsche helfen.


Dass das Problem von Tennis Borussia kein Einzelfall ist, zeigt das Beispiel des Lokalrivalen Türkiyemspor. Auch dort stehen Zahlungsrückstände an der Tagesordnung, die Lizenz für die nächste Saison scheint in Gefahr. Manager Fikret Ceylan schilderte ebenfalls in der Berliner Zeitung eine der Folgeerscheinung dieser Problematik: »Die Wettmafia sucht sich gezielt Vereine aus, bei denen es finanziell eng wird.« Es sei klar, dass man in der Regionalliga Spieler und Spiele leicht beeinflussen könne, »wenn man für ein Eigentor das Zehnfache eines Monatsgehaltes kassieren kann.«


Sargon Duran hat das hinter sich gelassen und ist wieder zurück in Österreich. Gemeinsam mit anderen für Regionalliga-Verhältnisse hochkarätigen Neuverpflichtungen wie Richard Wemmer und Arno Kozelsky möchte er mit dem SV Horn den Aufstieg in die Erste Liga schaffen und seiner Karriere einen neuen Schub verleihen. »Im Fußball kann's schnell gehen«, sagte Duran im November zum ballesterer. Ein Satz, der sich in den letzten zwei Monaten im negativen Sinne bewahrheitet hat.

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Rubrik: Aktuell
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