Was Kermit nicht wissen konnte ...

Liebestolle Potsdamer Frösche verursachen Debakel der Ukraine
Gastautor | 18.06.2006
Peinliche Erklärungsversuche für Niederlagen oder schwache Leistungen gab es bei dieser WM bereits genug. Nach Englands unansehnlichem Auftritt beim 1:0 über Paraguay klagte Mittelfeldstar Frank Lampard über die hohen Temperaturen in Frankfurt. Dumm gelaufen, denn schließlich konnte ja auch niemand ahnen, daß die WM in diesem Jahr im Sommer stattfindet. Japans brasilianischer Trainer Zico moserte schon vor der 1:3-Schlappe gegen Australien über den Rasen im Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern. Der WM-Neuling aus der Ukraine setzte nach dem 0:4-Debakel gegen Spanien in der Gluthitze von Leipzig noch einen drauf. Quakende Frösche neben dem Mannschaftshotel trugen nach Ansicht der ukrainischen Nationalmannschaft eine Mitschuld an der Niederlage. Die Mannschaft habe in der Nacht vor dem Spiel keine Ruhe gefunden, klagte der Rotsünder Wladislaw Waschtschuk der ukrainischen Tageszeitung Donbass sein Leid.

Den Verantwortlichen im Seminaris Seehotel in Potsdam gab dies doch sehr zu denken. Dass ausgerechnet die 17 streng geschützten und namentlich bekannten liebestollen Frösche um Froschkönig Rana Kermit die Nachtruhe der ukrainischen Spieler so sehr gestört hatten, dass sie tags darauf in Leipzig wie Falschgeld über den Rasen schlichen, wollte man in Potsdam nicht so ohne weiteres hinnehmen. War es nicht eher das vom ukrainischen Trainer Oleg Blochin ("Es gibt keine Beweise dafür, dass Sex vor den Spielen nützlich ist") verhängte Sexverbot, dass die Ukrainer so hatte abschlaffen lassen?

Hoteldirektor Hartmut Pirl wollte es genau wissen und berief unmittelbar nach der Niederlage eine Teamsitzung ein, in der er und sein Team beratschlagten, wie das ukrainische Team vor dem vor entscheidenden Duell gegen Saudi-Arabien in Hamburg versöhnlich gestimmt werden könne. Da gutes Essen und gute Worte den grimmigen Ukrainern nicht genug waren, packte Pirl das Problem an der Wurzel und sprach mit Froschkönig Rana Kermit ein ernstes Wort: "Det machen wa nich, Freunde", wie man in Brandenburg sagt.

Die Reaktionen der Ruhestörer waren allerdings niederschmetternd. "Das Gespräch mit Froschkönig Rana Kermit hat ergeben, dass er unser Ansinnen, seinen Artgenossen zu empfehlen, doch ein wenig leiser beim Liebesspiel vorzugehen, schlichtweg ablehnte", erklärte Günter Strube, Chef der Seminaris-Hotel Gruppe, nicht ohne eine Spur Verzweiflung. Die Froschmädels, so Strube weiter, seien heuer besonders attraktiv, weil die gute WM-Stimmung auch die Seen und Teiche erreicht hätte. Und im Übrigen sei das ja ihr See und sie würden sich den Spaß nicht verderben lassen. Da ist was dran.

Carsten Germann, Hamburg

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Rubrik: WM-Tagebuch
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