Was wird passieren?

cache/images/article_2110_20cent_140.jpg CONFED-BLOG Belo Horizonte erwartet einen aufregenden Tag. Rund um das Semifinale zwischen Brasilien und Uruguay sind neue Großdemonstrationen angekündigt und die Vorzeichen stehen auf neuerlichen Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Die Kalmierungsversuche des brasilianischen Teams dürften angesichts der angespannten Lage verhallen.

Die Hauptstadt von Minas Gerais hatte sich in den vergangenen Tagen als eines der Zentren der sozialen Proteste in Brasilien etabliert. Am Samstag gingen rund um das Match zwischen Japan und Mexiko 60.000 Menschen gegen das unzureichende Transportsystem, Defizite im Bildungsbereich und Korruption auf die Straße. An der Sperrzone des Estadio Mineirao im Stadtteil Pampulha kam es zu Auseinandersetzungen, bei denen zahlreiche Teilnehmer und Polizisten verletzt wurden. An den Avenidas Alfonso Pena und Presidente Antonio Carlos wurde 34 Geschäftslokale teilweise massiv beschädigt, der Sachschaden belief sich nach offiziellen Angaben auf mehr als 500.000 Euro. 77 Demonstranten wurden verhaftet.

Verriegelte Läden und Säbelrasseln
Für heute haben diverse Bewegungen neuerliche Großdemos angekündigt, die von dem zentralen Praca Sete in Richtung des rund acht Kilometer entfernten Stadions verlaufen sollen. Wie diese verlaufen werden, darüber scheiden sich die Geister. Die lokale Tageszeitung Estadio de Minas titelte am Dienstag: »Was wird passieren? Unvorhersehbar!«, darunter zeigte ein Foto, wie Läden und Banken entlang der erwarteten Demonstrationsroute und in der Innenstadt verriegelt wurden. Der Kommandeur der Militärpolizei von Belo Horizonte erklärte, die Demonstration nicht zu blockieren und nur die zwei Kilometer große Sicherheitszone rund um das Stadion abzuriegeln. Gleichzeitig kündigte er ein rigoroses Vorgehen an, falls die Proteste erneut von Gewalt begleitet werden. Der Bürgermeister von Belo Horizonte, Marcio Lacerda, sagte, in diesem Fall werde es mehr Verhaftungen geben als am Samstag.

Die Proteste begannen bereits am frühen Mittwochmorgen mit Straßenblockaden außerhalb des Zentrums. Laut der Facebook-Seite »BH nas Ruas« sind die Schnellstraßen BR 262 und 381 von Demonstranten gesperrt. Der Höhepunkt der Demos wird für den Nachmittag erwartet, der Protestzug soll sich ab 12 Uhr in Richtung Stadion auf den Weg machen. Zahlreiche der über 85.000 Follower der Seite riefen im Vorfeld zu Straßenblockaden auf. Dafür, in die Sicherheitszone einzudringen und die Konfrontation zu suchen, votierte nur eine kleine Minderheit. Die Betreiber der Seite riefen Mittwochfrüh noch einmal zur Gewaltfreiheit auf.

Fred beunruhigt, Scolari fordert Respekt
Ähnlich hatten sich am Dienstag auch die Mitglieder der brasilianischen Nationalmannschaft geäußert. Stürmer Fred der aus Minas Gerais stammt und für die Vereine America und Cruzeiro aus Belo Horizonte gespielt hat, sagte: »Ich verstehe die Proteste total, aber sie sollten friedlich verlaufen. Für Mittwoch sind ziemlich heftige Demos angekündigt, das beunruhigt mich.« Teamchef Felipe Scolari sagte bei seiner Pressekonferenz: »Jeder sollte sich bemühen, mit dem Gegenüber respektvoll umzugehen und sich nicht gegenseitig bekämpfen. Wenn wir das machen, können wir in zehn oder 20 Jahren ein Brasilien haben, das wir uns alle wünschen.« Es ist allerdings zu erwarten, dass die Leute auf den Straßen Brasiliens nicht so lange warten wollen. 

 

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