Wenn das Derby naht

cache/images/article_2443_pk_wsk_140.jpg Nach sechsjähriger Abstinenz steigt am Sportclub-Platz kommende Woche wieder das kleine Wiener Derby. Dem Prestigeduell zwischen dem Sportklub und der Vienna ist ein nicht nur für die Regionalliga bemerkenswerter Zuschauerzuspruch und Medienrummel gewiss. Am Rasen gelten die Döblinger als Favorit.
Marc Eder | 20.03.2015
Eine Pressekonferenz mit zwei Fernsehteams und einer Handvoll Journalisten ist im Fußball nicht unüblich. In der österreichischen Regionalliga schon. Im kurzerhand zum Pressekonferenzraum umfunktionierten Wettcafe in der Wiener Operngasse stehen meterhohe Roll-ups vor den TV-tapezierten Wänden. Auf Wimpel, Bierdeckel und Spielpläne im Visitenkartenformat wurden zwei Vereinswappen gedruckt. Wo sonst gezockt wird, wird heute medienwirksam verkündet: Bald ist es wieder so weit. Derbyzeit. Nach sechs Jahren, in denen die Mannschaften in unterschiedlichen Ligen spielten, feiern am Freitag, 27. März, der Wiener Sportklub und der First Vienna FC 1894 ihr Pflichtspiel-Wiedersehen in Hernals. Das Stadion des Sportklub ist für 7.350 Zuschauer zugelassen. Es wird voraussichtlich bis auf den letzten Platz gefüllt sein.

Derby of Love
„Der Vorverkauf läuft sehr gut, wir haben bereits über 4.500 Karten verkauft“, erklärt Ingo Mach, sportlicher Leiter des WSK, und betont das, was alle am ebenerdigen Podium sitzenden Vereinsvertreter in den kommenden Minuten gebetsmühlenartig wiederholen werden: „Die Vorfreude ist riesig.“ Und: „Es ist kein Spiel wie jedes andere“. Der Anlass, wo sich all die aufgestaute Vorfreude und Nervosität in einem hitzigen, spannungsgeladenen Gebolze entladen soll, wird sogar live auf ORF Sport Plus zu sehen sein. „Das zeigt, welche Liebe dieser Begegnung von sehr vielen Leuten und Institutionen entgegengebracht wird“, erklärt Kurt Garger, der sportliche Leiter der Vienna.

Sportklub gegen Vienna gehört zur Kategorie jener ewig junger Duelle, zu der auch Nürnberg gegen Fürth, Münster gegen Osnabrück oder in Österreich das große Wiener Derby zählen. Es geht um mehr als drei Zähler für die Tabelle, die Partie gleicht einem vereinsinternen Stimmungsbarometer – und das für längere Zeit. „Wir kriegen schon seit Wochen mit, dass für die Fans das Derby das wichtigste Spiel ist“, erzählt Sportklub-Torhüter Martin Fraisl. „Sie wollen da einen Sieg sehen, nicht vorher und nicht nachher.“

Die verdammte Pflicht zu punkten
Das Hinspiel auf der Hohen Warte endete torlos. Fraisl verhinderte in der Schlussphase eine Niederlage seiner Mannschaft. Am vergangenen Mittwoch in Amstetten musste der Schlussmann in der 88. Minute hinter sich greifen. Die Offensivabteilung blieb wieder einmal ohne Erfolgserlebnis, der Sportklub verlor 0:1. Es war die vierte Niederlage im fünften Pflichtspiel, seit Johannes Uhlig bei den Dornbachern im November zum neuen Trainer bestellt wurde. Der Klub liegt derzeit auf dem neunten Rang der Regionalliga Ost.

Bei der Pressekonferenz fehlt Uhlig, er ist beruflich verhindert. Sein Co-Trainer, Robert Popovits, gesteht: „Natürlich können wir die Tabelle lesen. Es ist derzeit sehr knapp nach unten, aber auch nach oben.“ Nach einer schwierigen Phase mit vielen Auswärtsspielen hofft der Verein auf satten Punktezuwachs: „Jetzt spielen wir dreimal daheim - da müssen wir punkten“, sagt Popovits.  

Angeschrieben werden soll vorerst noch ohne den rekonvaleszenten Torjäger Alejandro Yunes de Leon – und Sertan Günes. Die Beziehung zwischen dem Klub und dem suspendierten Kapitän ist in der Winterpause erkaltet. Man hat sich derzeit nicht viel zu sagen. Mit solchen Problemen muss sich die Vienna nicht herumschlagen. Sportlich sind die Döblinger mit einem Punkt aus zwei Spielen ebenso mau ins Frühjahr gestartet. Trainer Hans Slunecko meint dennoch selbstbewusst: „Na klar sind wir Favorit.“ Mit drei Punkten würde die Vienna den Druck auf Tabellenführer Ritzing aufrecht halten. Seit die Döblinger in der Vorwoche den Lizenzantrag für die Erste Liga gestellt haben, ist es offiziell: Man will wieder aufsteigen.

Die Pressekonferenz ist gerade sechs Minuten alt, als der Fragedurst der Medienvertreter auch schon wieder gestillt ist. „Wenn die Journalisten keine Frage mehr haben, hätte ich noch eine an den Herrn Garger“, ruft ein Mann aus dem WSK-Lager ins Mikrofon der extra installierten Soundanlage. „Dürf ma eure Spieler am Abend vor dem Match vielleicht in die Disko einladen?“ Garger bleibt souverän: „Dieses Spiel ist für alle Beteiligten zu wichtig. Spiel ma z’erst und gemma dann gemeinsam in die Disko.“ Wer für den 27. März ein anderes Programm bevorzugt, für den ist am Sportclub-Platz ebenfalls gesorgt: Das EM-Qualifikationsspiel zwischen Liechtenstein und Österreich (20:45 Uhr) gibt’s im Anschluss als gemeinschaftliches Public Viewing oben drauf.

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