»Wenn der Sportklub anfragt...«

cache/images/article_1609_buchi_140.jpeg Markus Buchinger ist ein Dornbacher Urgestein und im Winter nach sechs Jahren wieder zum Wiener Sportklub zurückgekehrt. Im Interview mit dem Stadionmagazin alszeilen spricht er über seine persönliche Zukunft, seinen fußballverrückten Vater und die schwarz-weiße »C&K-Frage«.
Johannes Hofer, Simon Weyer | 12.03.2011
alszeilen: Du hast jetzt lange dein Glück bei anderen Vereinen gesucht. Was waren die Gründe, dass du den Sportklub verlassen hast?
Markus Buchinger: Der Grund war einerseits ein Finanzieller. Ich wollte schon 2004 im Sommer den Verein verlassen, der neue Trainer Peter Segrt hat mich aber überredet zu bleiben. Ich habe ein sehr gutes Angebot gehabt, mich aber dazu entschlossen, mir noch ein halbes Jahr beim Sportklub zu geben. Das Verhältnis zu Trainer Segrt war nicht das Beste und im Winter habe ich dann die Reißleine gezogen und bin dann nach Krems gewechselt. Ich war aber dort dann nur ein halbes Jahr, weil sie sich übernommen haben. Daraufhin bin ich dann nach Würmla gewechselt.

Hast du dich immer als Regionalliga-Spieler gesehen? Oder gab es auch höhere Ambitionen?
Naja, mit 17, 18 Jahren hat man natürlich noch andere Ziele. Es hat sogar einmal Interesse von einem Bundesliga-Verein (Austria Wien, Anm.) gegeben. Damals habe ich mich leider verletzt und dann hat sich das Ganze zerschlagen. Da wäre ich sofort hingegangen und hätte die Arbeit hinter mir gelassen. Doch irgendwann, mit 23, 24 Jahren, ist dann der Punkt gekommen, wo für mich klar war, dass es nicht über die Regionalliga hinausgehen würde. Heute  bin ich nicht unglücklich darüber.

Bist du ein Spieler, der auf den Tisch haut wenns drauf ankommt?
Ich bin schon jemand, der seine Meinung sagt, aber sicher kein schwieriger Spieler. Ich setze mich nicht nur für mich, sondern auch für meine Mitspieler ein. Dass ich ab und
zu anecke oder angeeckt bin, mag sein. Ich bin halt ein Gerechtigkeitsfanatiker.

Bereust du die Schritte, die du in deiner Karriere bis jetzt gesetzt hast?
Ich würde sagen, meine Vereinswahl war sicher nicht immer ideal. Ich habe sicher
nicht immer das rausgeholt, was ich rausholen hätte können, hauptsächlich aber aufgrund dessen, dass ich mich auch beruflich verwirklichen wollte. Eigentlich bereue ich nichts.

Was hat sich denn in den Jahren, in denen du weg warst, beim Sportklub verändert?
Hauptsächlich die Personen. Nicht nur die Spieler, auch der Vorstand ist neu. Zu meiner
Zeit hat es ja noch keinen Udo Huber gegeben. Die einzigen, die jetzt noch beim Verein
sind, sind Norton Radaj (derzeit Trainer und Sportlicher Leiter, Anm.) und Günther Loran (Verbandsdeligierter, Anm.). Auch das Trainingszentrum hat es damals noch nicht gegeben.

Du hast ja noch mit Norton Radaj zusammengespielt. Jetzt gibt er dir als Trainer Anweisungen. Wie ist euer Verhältnis?
Wir kommen gut miteinander klar. Wir reden zwar recht wenig miteinander, aber ich glaube, es braucht nicht viele Worte. Der Schmäh rennt. Und es passt eigentlich recht gut. Wenn er was sagt, wird das aber heute eingehalten.
Bist du als älterer Spieler automatisch in der Funktion einer Leitfigur?
Nana, so weit ist es jetzt nicht, dass ich sage: Ich übernehme die Position des Führungsspielers. Da gibt es mit Ingo Szabo, Sertan Günes oder Marcos Perez andere, die das sehr gut ausfüllen. Aber, wenn zum Beispiel der Schmiedl (Patrick Schmiedtberger, Anm.), der jetzt gerade 19 oder 20 ist und sehr viel Talent hat, auf mich zukommt und Fragen hat, helfe ich ihm gerne.

Braucht man das als junger Spieler? Im aktuellen Fußball scheint die Jugend doch gerade vor Selbstbewusstsein zu trotzen.
Auf alle Fälle. Ich habe das damals genossen, mit Arminas Narbekovas zu spielen und zu ihm aufzuschauen. Und ich glaube auch, dass das heute für junge Spieler noch wichtig ist.
Beim Sportklub warst du stets Publikumsliebling, bist auch nach wie vor sehr beliebt, wie man bei den ersten Testspielen beobachten konnte.
Es ist natürlich etwas ganz anderes wenn man am Sportclub-Platz aufläuft, als bei der Columbia vor 200 Zuschauern. Mein Verhältnis zu den Fans war immer sehr gut. Ich bin früher häufig im »Flag« (Klublokal im Bauch der Friedhofstribüne, Anm.) gewesen. Es war immer alles unkompliziert.

Du hast im Nachwuchs des Wiener Sportclub gespielt. Von 2002 bis 2005 warst du beim Wiener Sportklub. Wie stehst zur Wiedereingliederung des WSK in den WSC, die ja zuletzt große Fortschritte gemacht hat?
Ich bin beim WSC groß geworden und das ist auch der Verein der wirklich zählt. Natürlich spiele ich aber auch gerne beim Sportklub. Ich hoffe natürlich, dass die Zusammenführung von »C« und »K« möglichst bald klappt und dass es den WSC bald wieder geben wird.
Hast du dir in der Zeit, in der du nicht beim Sportklub warst, Spiele an der Alszeile angeschaut?
Ab und zu, wenn sich das mit meinen Spielen nicht überschnitten hat. Ein paar Mal pro Saison war ich schon anwesend. Da habe ich mich dann zu meinem Vater gestellt, der jedes Mal am Sportclub-Platz ist, auf die Haupttribüne gestellt. Er schaut sich aber nicht nur den Sportklub an, sondern es kann gut sein, dass er sich an einem Sonntag die erste Hälfte von Gersthof und dann die Zweite von der Fortuna antut. Er ist fußballverrrückt.

Wie hat dein Vater, der eine Zeitlang ja auch die Vereinskantine geführt hat, auf deine Rückkehr zum Sportklub reagiert?
Er hat sich natürlich gefreut und gesagt, ich soll es machen, auch aufgrund der angespannten Situation bei der Columbia. Wie ich schon gesagt habe: Wenn der Sportklub anfragt, dann überlegt man nicht lang.

Die sportliche Situation beim WSK ist für dich alles andere als einfach. Wie siehst du deine Rolle in der Mannschaft?
An Thomas Helly vorbeizukommen ist natürlich sehr schwierig. Aber ich bin offensiv
überall einsetzbar. Dass gute Spieler da sind habe ich von Anfang an gewusst.
Schmiedtberger oder Mirza Berkovic können auch sehr universell spielen. Wenn ich es mir nicht zutrauen würde, wäre ich nicht da. Ich sehe mich nicht nur als Backup für Thomas Helly und baue auch nicht darauf, ob der Thomas vielleicht in der Bundesliga spielt.

Du wirst heuer 30. Welche sportlichen Ziele hast du noch?
Am ehesten, dass ich noch drei bis vier Jahre in der Ostliga mithalten kann. Zurzeit fühle ich mich körperlich fit. Wie das in ein paar Jahren ausschaut ist eine andere Frage. Das Ziel ist auf alle Fälle, mein Niveau zu halten.

Was ist mannschaftlich gesehen das Ziel der Frühjahrssaison?
Es kann schnell gehen. In der Hinrunde war der Sportklub ja sogar einmal nur knapp vor den Abstiegsplätzen und hat dann einen Lauf bekommen. Es ist heuer alles sehr eng beisammen. Man darf einfach niemanden unterschätzen und muss sich jede Woche voll reinhauen. Wenn man sich nach den 90 Minuten oder nach der Saison  in den Spiegel schauen kann und weiß, dass man das Maximum herausgeholt hat, ist es in Ordnung.

Hast du schon Pläne für die Zeit nach der Karriere?
Ich möchte ins Trainergeschäft einsteigen. Der Trainerschein ist allerdings eine zeitliche Frage. Natürlich wäre es beim Verein meines schwarz-weißen Herzens am schönsten. Super wäre es natürlich, direkt vom Feld auf die Trainerbank zu wechseln. Das ist auch mit Norton so besprochen. Mein Vertrag läuft jetzt erst einmal bis zum Sommer und dann sehen wir weiter.

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Rubrik: Aktuell
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