Wer Deutschland fehlt

Noch stürmen bei den Deutschen die Stürmer. Aber nicht mehr lange, dann weht der Wind von anderswo her. Wo ist eigentlich Paule Breitner?
Martin Nagl | 21.06.2006
Am Horizont hab ich seine Konturen schon gesehen. Er musste es sein, meine Sinne waren völlig klar. Der Zeitpunkt hätte genau gepasst. Es war die erste Minute bei Deutschland - Ecuador, als Valencia bei einem Flankenball einen Tick zu spät schaltete und sein Gegenspieler Huth drei Schritte hinterher stapfte. Der Stürmer aus Ecuador traf aber nicht. Mit der verhauten Großchance des Außenseiters verschwand auch die Gestalt wieder, die mein geistiges Auge schon längst identifiziert hatte. Es war Paule Breitner, und er hatte schon tief Luft geholt.

Eine Weltmeisterschaft in Deutschland - und der Experte ist nicht da. Seine Stimme war bislang im gesamten Turnier nicht zu hören. Wenn derzeit im deutschen Fußball-Umfeld eine Lücke auszumachen ist, dann die: Paule Breitner fehlt.

Was hat der gute Mann rund ums deutsche Team nicht schon alles aufgedeckt! Und jetzt? Soll ich dem Waldi "Na, i red nur drüber" Hartmann die zur Schau gestellte Harmonie, die die Mannschaft angeblich umgibt, ernsthaft abnehmen? Dass Klose dem Podolski plötzlich alles gönnt? - So ein Schmarrn! Und dass Oliver Kahn als kreuzbrave Nummer Zwei über Wochen hinter Lehmann stellt? - Das glaubt doch echt kein Mensch! Schon fast lächerlich: Der Kuschelkurs von Klinsi und Jogi in aller Öffentlichkeit. Da ist doch gehörig was faul!

Ach, Paule, du Hans-Peter Martin des deutschen Fußballvolks, wir vermissen dich! Lass uns die geschönten Fernsehberichte über das deutsche Problem-Team aus dem Gedächtnis streichen und sag uns endlich, was wirklich läuft! Ach, Paule, komm zurück!

Referenzen:

Rubrik: WM-Tagebuch
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