Whiskey in the Jar

cache/images/article_1889_irland_140.jpg EM-Blog Irland verabschiedet sich von der EM. In Polen trauert man den Gästen nach. Die polnisch-irische Party ist wunderbar gelungen, aber wie jede gute Feier muss auch sie zu Ende gehen.
Radoslaw Zak aus Posen | 19.06.2012

Die Anhänger der irischen Nationalmannschaft hatten Träume. Schnell wurden sie nach der 1:3-Auftaktniederlage gegen Kroatien und dem 0:4-Desaster gegen Spanien, die das Vorrundenaus besiegelten, begraben. Der Stimmung tut das sportliche Scheitern jedoch keinen Abbruch.


Vor dem letzten Match gegen Italien, stimmen sie sich in Posens Innenstadt mit Gesängen ein. Die weiß-roten polnischen Nationalfarben sind am Alten Markt verschwunden, alle tragen grün. Gemeinsam mit den »Boys and Girls in Green« schmettern die Stadtbewohner »Polska, bialo-czerwoni« (Polen, die Weiß-Roten) und »Fuck you, Roy Keane! We sing when we want!«. Der ehemalige irische Teamkicker hatte nach dem 0:4 gegen Spanien die Fanpartys kritisiert: »Wir sind ein kleines Land und Außenseiter. Aber wir sollten nicht zum Singen herkommen.«

Was hat Keane schon gewonnen?
Nach der Niederlage lobten die irischen Nationalspieler die ausgezeichnete Stimmung im Stadion, die mit »The Fields of Athenry« ihren Höhepunkt fand. Teamchef Giovanni Trapattoni, der laut den irischen Fans kein Italiener mehr sei, konnte die Position von Keane nicht verstehen. »Was hat er schon gewonnen? Ich alles«, ließ der Altmeister wissen.


Die Straßenbahnfahrt zum Stadion gestaltet sich amüsant. »One Berlusconi, theres only one Berlusconi« und »Theyre gonna fix the game« schallt es aus den offenen Fenstern. Als zwei in grün bekleidete Männer in der in die entgegengesetzten Richtung kursierenden Straßenbahn gesichtet werden, erklingt »Youre going in the wrong direction, stupid wankers!«.

 

Das Ende einer Party
Im Stadion sind nicht nur die Fans langsam erschöpft, auch die Polizei sieht mitgenommen aus. Zwei Polizisten wachen Zigaretten rauchend auf einer Treppe sitzend. Die Atmosphäre im Stadion ist wieder fantastisch. Nach dem Schlusspfiff ertönt erneut »The Fields of Athenry«, angeführt von Gianluigi Buffon spenden auch die Italiener den Fans Applaus.


In der Innenstadt geht die letzte Partie über die Bühne. Wodka und Whiskey fließen in Strömen, Straßenmusikanten schmettern Green Days »Time of your life« und eine überlange Version von »Whiskey in the Jar«. Es ist Zeit aufzubrechen, am Ende ertönt noch »Youre never gonna believe us, were never going home«. Aber auch dies bleibt nur ein Traum. Die Iren werden morgen wieder abreisen. Denn auch die beste Party geht einmal zu Ende.

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