Wie damals gegen Aston Villa

cache/images/article_1938_dsc_0292_140.jpg Hochsicherheitsspiel, »Hass-Griechen« und Sorge um die europäische Zukunft des SK Rapid viel war vor der Partie gegen PAOK Saloniki geschrieben worden. Am Ende sieht der ballesterer-Korrespondent im Hanappi-Stadion dank spielerischer Überlegenheit einen Heimsieg samt stimmungsvoller Atmosphäre. Weitere Abende in der Europa League können jetzt folgen.
Emanuel Van den Nest | 01.09.2012

Die U-Bahn nach Hütteldorf lässt einige Minuten länger auf sich warten als üblich. Und warten heißt es dann für viele Zuschauer auch am Einlass, wo sie sich den erwartet strengen Kontrollen gegenüber sehen. Auch deswegen füllt sich die Nordtribüne des Hanappi-Stadions nur langsam, was der Stimmung im Stadion allerdings keinen Abbruch tut. Denn die, die schon da sind, begrüßen die einlaufenden Spieler in einer Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Das gilt für die Rapid-Fans ebenso wie für die, von Polizisten umringten, Anhänger von PAOK Saloniki auf der Osttribüne. Besonders lautstark zeigt sich der Block West. Ein Hauch von Aston Villa weht durchs Hanappi-Stadion.

Effektives Spiel

Das Spiel auf dem Rasen kommt hingegen erst nach einigen unspektakulären und zweikampfbetonten Minuten ins Rollen. Die Gäste aus Saloniki versuchen, die Wiener mit Körpereinsatz im Zaum zu halten. Die dafür geeigneten Spieler haben sie zumindest: ein Grieche scheint größer und kräftiger als der andere zu sein. So macht auch der Einsatz von Rapid-Stürmer Terrence Boyd Sinn, der ohne Rücksicht auf Verluste den Zweikampf mit den gegnerischen Innenverteidigern sucht. Zunächst pressen die Stürmer von Saloniki geschickt und erschweren so Rapids Spielaufbau. In der Mitte gibt es kein Durchkommen, das Flügelspiel funktioniert erst mit Fortdauer der Partie. Der Erfolg zeigt sich in der 31. Minute, als Deni Alar nach Guido Burgstallers Flanke von links den Ball ins Tor hechtet.

Von der 1:0-Führung beflügelt hält es die Rapid-Fans nicht mehr auf ihren Plätzen. Sportlich beflügelt der Treffer allerdings eher die Gäste, die vor der Pause nur knapp am Torerfolg scheitern. In der zweiten Halbzeit allerdings lässt das zweite Tor nicht lang auf sich warten. Der sträflich ungedeckte Boyd köpft nach Freistoß von Alar zum 2:0 ein. Nach diesem günstigen Spielverlauf übernimmt Rapid die Kontrolle über das Spiel, dominiert es sogar spielerisch. Dennoch bieten sich PAOK einige große Chancen, etwa als der sonst sichere Mario Sonnleitner dem Gegner unbeabsichtigt auflegt.

Abschied von Europa
Kurz vor der Rapid-Viertelstunde bringt Trainer Peter Schöttel Thomas Prager für Markus Heikkinen. Die Idee dahinter dürfte es sein, das Ergebnis durch Ballkontrolle über die Runden zu bringen. Was in der Theorie sinnvoll erscheint, gelingt in der Praxis nicht unbedingt. Die PAOK-Fans sind zwischenzeitlich verstummt, ihre Mannschaft versucht nun erstmals, die Initiative zu ergreifen. Aber auch wenn die Rapidler zunehmend die Kontrolle über das Spiel verlieren, zeigt sich, dass PAOK spielerisch innerhalb enger Grenzen operiert. Es fehlt an Kreativität, für Torgefahr sorgen vor allem Standardsituationen.

So verabschiedet sich die PAOK-Kurve im traurig anmutenden Dauergesang vom Europacup, während Steffen Hofmann in der Nachspielzeit für die endgültige Entscheidung sorgt: PAOKs Tormann Panagiotis Glykos setzt alles auf eine Karte und geht bei einem Freistoß mit nach vorne, um seine Mannschaft vielleicht doch noch in die Verlängerung zu retten: Doch Thomas Prager kann den Ball aus dem Strafraum schießen. Sein Abschlag landet bei Steffen Hofmann, der den Ball von der Mittellinie aus dem Stand sehenswert ins leere Tor kullern lässt und das Stadion noch einmal zum Beben bringt. Mit etwas mehr Glück und deutlich mehr Ideen als der Gegner sichert sich Rapid verdient den Aufstieg, so wie damals gegen Aston Villa.

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