»Wir kriegen euch«

cache/images/article_2108_rfef_140.jpg An diesem heißen Sonntag in Fortaleza hat nach Langem wieder einmal der Sport das Wort. Spanien siegt unverdient hoch gegen Nigeria. Das Publikum ist einmal mehr auf der Seite des Außenseiters. Aus den ungewohnten Abwehrschwächen der Spanier schöpfen die brasilianischen Fans Hoffnung für das erwartete Traumfinale.

Die Anfahrt ist dieses Mal völlig problemlos, die Demonstranten scheinen heute eine Sonntagsruhe eingelegt zu haben. Lediglich die Flughafenzufahrt wird von etwa 1.000 Personen für rund zwei Stunden blockiert. Auf der Busfahrt zum Stadion stechen einzig die mahnenden Werbeplakate einer NGO ins Auge. Auf den Plakaten sind die Vorrundenbegegnungen der Brasilianer mit anderen Ergebnissen zu lesen: »Brasilien - Mexiko 1:4« und »Brasilien - Japan 1:10« steht da. Es handelt sich um die Prozentsätze des Bruttoinlandsprodukts, das in den jeweiligen Ländern für Bildung ausgegeben wird.

Ein hohes Resultat sollte es dann auch am grünen Rasen, der nach zwei Spielen schon etwas hitzegeschädigt scheint, geben. Zunächst deutet alles darauf hin, dass Spanien an das Schützenfest gegen die Amateure aus Tahiti anschließen will. Eine Kombination wie aus dem Fußballehrbuch führt zum schnellen 1:0 durch Außenverteidiger Jordi Alba. Fantastisch ist an diesem Tor die perfekte Dreiecksbildung durch Sergio Busquets, Xavi und Andres Iniesta. Letzterer bedient schließlich den Torschützen, der noch ein sehenswertes Dribbling einlegt. Die technischen Studiengruppe, in der Weltmeister Cafu und der Generalkoordinator von Red Bull International, Gerard Houllier, sitzen, wird vermutlich eifrig mitgeschrieben haben. Eine derartige Perfektion über mehrere Stationen sieht man schließlich nicht allzu oft.

 

Wer allerdings glaubt, hier eine neue Show der Spanier vorgesetzt zu bekommen, wird schnell eines Besseren belehrt. Die Nigerianer lassen sich nicht einschüchtern und ziehen ihr mutiges 4-3-3 gnadenlos durch. Ihre technisch exzellente und schnelle Sturmreihe mit Ahmed Musa, Ideye Brown und Joseph Akpala bringt die spanische Innenverteidigung mehrmals ins Wanken. Allein, es sollte an der fehlenden Routine und der Abschlussschwäche liegen, dass der Ball nicht reinwollte. Das Publikum zeigt sich von den nigerianischen Sturmläufen begeistert und ist klar auf der Seite des Außenseiters. Kurioserweise bekommt auf Seiten der Spanier ausgerechnet der schwächelnde Gerard Pique die größten Sympathiekundgebungen, was vor allem an seiner nicht anwesenden Frau Shakira liegen dürfte. Ein Fan hat sogar eine Pappfigur von ihr ins Stadion mitgebracht, ein anderer hat in Anlehnung an den Titel einer ihrer Hits ein Schild mit »Estoy aqui« (Ich bin hier) aufgezogen.

Pique jedenfalls scheint sich diese Anfeuerungen zu Herzen genommen zu haben, er kommt wie auch sein Kollege Sergio Ramos wesentlich konzentrierter aus der Kabine. Nigeria wirkt nun müde, das hohe  Tempo der ersten Hälfte scheint den Spielern zugesetzt zu haben. Nachdem Xavi zwei gute Chancen nicht verwerten kann, erzielt der eingewechselte Fernando Torres nach einer perfekten Flanke von Pedro in der 62. Minute das vorentscheidende 2:0. Der stürmende Jordi Alba, der an diesem Tag seinem Kollegen Pedro starke Konkurrenz am linken Flügel macht, setzt schließlich den Schlusspunkt. Die tapferen, aber glücklosen Nigerianer sind ausgeschieden, Spanien freut sich im Semifinale am Donnerstag auf eine Neuauflage des EM-Finales gegen Italien. Coach Vicente del Bosque meint nachher, Nigeria sei ein sehr starker Gegner gewesen, der sich ebenfalls das eine oder andere Tor verdient hätte. Für den Schlager gegen Italien erwartet er einen nach Rache dürstenden Gegner. Überraschen können ihn die Italiener aber nicht, schließlich seien der Stamm der Spieler und der Coach derselbe wie vor einem Jahr.


Für den Journalisten Bruno Freitas vom Internetportal UOL hat sich Spanien heute schwächer gezeigt als im Spiel gegen Uruguay, was er aber auf den frühen Spielbeginn bei noch großer Hitze zurückführt. Das Finale gegen Brasilien ist für ihn noch nicht ausgemacht, beide Mannschaften haben schließlich im Semifinale starke Gegner zu bezwingen. Die brasilianischen Zuschauer hingegen rechnen mit keinen Überraschungen mehr. Am Ende der Partie stimmen sie Schmähchoräle an. »Wartet nur, Spanier, die Stunde, wenn wir euch kriegen, lässt nicht mehr lange auf sich warten.«

Referenzen:

Thema: Confed-Cup
ballesterer # 121

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png