»Es geht um Waffengleichheit«
Was tun, wenn die Polizei beim Stadion eine Identitätsfeststellung macht oder eine Anzeige wegen Pyrotechnik ins Haus flattert? Solche Fragen werden für immer mehr Fußballfans relevant. Beratung bekommen sie von Fananwälten, die sich nun auch in Österreich vernetzen. Drei Juristen im Interview über Behördenwillkür und Copy-&-Paste-Strafverfügungen.
Verschobene Wahrnehmung
Gerüchte gibt es schon lange und fast im Wochentakt. Dass in den letzten Jahren in der österreichischen Bundesliga tatsächlich Spiele geschoben wurden, ist allerdings nur aus deutschen Gerichtsurteilen bekannt. Bestraft wurde dafür noch niemand. Was hindert die Verantwortlichen am Durchgreifen? Und was tun sie, um weitere Manipulationen zu verhindern?
Hellenische Verwirrungen
Bei der Cuppartie gegen Wacker Innsbruck Anfang August avancierte der Platz von Hellas Kagran zu einem Aufmarschgebiet rechtsextremer Fans der Wiener Austria. Ansonsten setzen Präsident Martin Graf und seine Gesinnungsgenossen, die den Verein 2007 übernommen haben, auf ein eher unauffälliges Erscheinungsbild. Selbst wenn die Vereinsfarbe grün schlecht angeschrieben ist.
Einen Sommer lang fliegen
Am 26. Juni wird im Berliner Olympiastadion vor 74.000 Zuschauern die Frauenfußball-WM eröffnet. Stars werden gemacht, die Vermarktungsmaschine läuft, das Fernsehen überträgt live. Im Ligaalltag jedoch bleiben die Frauen mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Der WM-Sommer 2011 wird ein Ausnahmezustand für den Frauenfußball, aber er ist nicht der Beginn einer Revolution.
Der Hooliganprozess
Ein junger Tiroler wird sieben Jahre nach einem Platzsturm zu einem Schadenersatz von 120.000 Euro verurteilt. Er soll einen Polizisten schwer verletzt haben, doch Zeugen gibt es keine. Mittlerweile ist das existenzbedrohende Urteil Geschichte. Die zweite Instanz hat schwere Mängel in der Prozessführung festgestellt.
»Irgendwann gibt es den genormten Fan«
Der Innsbrucker Rechtsanwalt Mathias Kapferer hat sich ausführlich mit dem staatlichen Umgang mit Fußballfans auseinandergesetzt. Im ballesterer-Interview erklärt er, warum sie häufig von Willkür betroffen sind und er Skifahrer als größeres Sicherheitsrisiko betrachtet.
Beschnuppern und Beharren
Totale Sicherheit
Die ersten Runden nach der Verschärfung des Pyrotechnik-Verbotes haben eines gezeigt: Die Fans haben ihr »asoziales und gestörtes Verhalten« nicht eingestellt.
Dialog mit Störgeräuschen
Die vom Europarat und dem österreichischen Innenministerium organisierte Ultra-Konferenz in Wien brachte Fanvertreter der Football Supporters Europe (FSE) an einen Tisch mit Polizisten und Politikern. Konkrete Ergebnisse blieben zwar Mangelware, der Dialog wurde aber aufgenommen und von mancher Seite überstrapaziert.
»Scheiß-Fußball« ist zu wenig
Die Bedingungen des Sportjournalismus in Österreich sollten bei einer Podiumsdiskussion an der Uni Wien im Rahmen der Ringvorlesung »Sport Studies« ausgelotet werden. Wurden vom Podium zuerst vielfach externe Faktoren als Erklärungsansatz angeführt, gab es im Verlauf der Diskussion auch Selbstkritik.
»Es wird immer weiter brennen«
Am 4. Jänner tritt die Verschärfung des Pyroverbots in Österreichs Stadien in Kraft. Von der ersten Ankündigung durch die Innen- ministerin bis zur Verabschiedung der Gesetzesvorlage begleiteten Kommunikationsmängel und Auseinandersetzungen das Verbot. Ein Fazit über die heimische Politlandschaft und die Wahrnehmung von Fußballfans.
Europas Fanvertreter
Kommerzialisierung, TV-Diktat bei Anstoßzeiten, repressive Gesetzgebung. Nur drei von vielen Problemfeldern, mit denen Fußballfans in ganz Europa konfrontiert sind. Beim zweiten europäischen Fankongress wurde versucht, die Kräfte zu bündeln. Der ballesterer war mit dabei.
Ausgezündelt: Pyrotechnik-Verbot kommt
Mit einem neuen Gesetz will das Bundesministerium fur Inneres (BMI) der Pyrotechnik in Österreichs Fußballstadien endgultig den Garaus machen. Faninteresse finden darin keine Berucksichtigung, kritisieren Streetworker und Fanbeauftragte.
»Wenigstens ein Zeichen setzen«
Normalerweise treten Fußballfans selten als Kläger auf. Doch nach einer Massenverhaftung durch die Bremer Polizei im November 2008, beschlossen Anhänger der Eintracht Frankfurt, juristisch gegen den Einsatzleiter vorzugehen. Henning Schwarz von den Ultras Frankfurt lässt in einem ballesterer-Interview den Tag noch mal Revue passieren und gibt einen Überblick auf die gesetzten Schritte.
Pfusch mit juristischen Folgen
Am 29. November 2008 spielte Werder Bremen gegen die Eintracht aus Frankfurt. Schon am Vormittag fanden sich zirka 300 Eintracht-Fans aus dem Umfeld der Ultras Frankfurt im Bremer Kneipenviertel ein, stets begleitet durch die von szenekundigen Beamten informierte Bremer Polizei samt einem SAT1-Fernsehteam. Es blieb ruhig, bis auf die szenentypischen Gesänge und einen gezündeten Bengalen. Doch das genügte: Einsatzleiter Hans-Jürgen P. ordnete die Einkesselung und Festnahme aller anwesenden Frankfurt-Fans an.
Hellas, ein Erschütterungsexperiment
Politischer Konflikt, Provokationen und Burschenschaftler. Eine Diskussion rund um Hellas Kagran, Rassimsus/Antirassismus und dem FPÖ-Politiker Martin Graf. Mit am Podium: ballesterer-Redakteur Georg Spitaler.
Turnier und Diskussion zu Hellas Kagran
Die Diskussionen um den FPÖ-Politiker Martin Graf ebben nicht ab. Nach dem Bekanntwerden von Bestellungen von zwei seiner Parlamentsmitarbeiter beim rechtsextremen »Aufruhr«-Versand, rückte auch die Causa rund um die Suspendierungen von drei Spielerinnen beim FC Hellas Kagran wieder ins mediale Schlaglicht.
Plautz mag keine »Neger«-Musik
Techno, Hardrock und ähnliches »Tschi-Bumm« ist nichts für FIFA-Schiedsrichter Konrad Plautz. Bei Schlager und Volksmusik fühlt er sich wohler. Unwohlsein ruft jedoch seine Aussage hervor, er möge eben keine »Neger«-Musik. Ein Artikel in Kooperation mit sportal.at.
EM-Blüten #1: Mit Gottes Segen
Von den vorhergesagten 8.000 EM-Jobs natürlich alles begehrenswerte, sozial abgesicherte Dauerarbeitsplätze - dürften geschätzte 7.990 in der Medienbranche entstanden sein. Anders ist die täglich hereinprasselnde Meldungsflut nicht zu erklären. Um unser aller Informationsbedürfnis zu befriedigen, wird jede noch so kleine Unwichtigkeit auf EURO getrimmt. So erfahren wir zum Beispiel alles zum Thema Fußball und Religion, um die nächsten Wochen in ballestrischer Glückseligkeit zu verbringen.
Scheiss EM 2008
Die Akte Mimm
SCHWARZGELD Die Bundesliga zitierte Spielervertreter Dennis Mimm vor das Ethikkomitee, da er sich über Schwarzgeld-Zahlungen der Klubs an Spieler geäußert hatte.
Die Unsichtbaren
FANBLOCK Sie werden kaum wahrgenommen und sind doch Teil jeder Kurve: Fans mit ausländischen Wurzeln oder Staatsbürgerschaften. Drei Migranten(kindern) aus Wien, Ried und Innsbruck über ihr Fantum und ihre Erfahrungen auf den Bundesliga-Tribünen.
Politik, Party und Tattoo-Alarm
ANTIRASSISMUS Bereits zum vierten Mal trafen sich im Juni dieses Jahrs Fanklubs aus Europa und Israel im Hamburger Stadtteil St. Pauli, um zusammen Fußball zu spielen, sich zu vernetzen und gemeinsam zu feiern.
Rückkehr des schlafenden Riesen
LASK Nach Jahren der Tristesse in der zweiten Liga hat der Linzer Athletik-Sportklub den Aufstieg geschafft. Der Traditionsverein kehrte zurück in die oberste Spielklasse. Anlass, die Linzer Fanszene näher zu betrachten.
Kommt der doppelte Vorteil?
FANARBEIT Sozialarbeit und Streetwork für jugendliche Fußballfans? Was für viele neu klingt, hat in Österreich eine fast 30-jährige Geschichte, wenn auch mit Unterbrechungen.
»Habe mich unter Wert verkauft«
WAS WURDE AUS Auf der Release-Party des ballestererfm Nr. 31 konnten die Gäste über ein Artikelthema abstimmen, das wir verpflichtend behandeln würden. Der Vorschlag des Exiltirolers Holger Hörtnagl, Manfred Linzmaier zu interviewen, erhielt eine qualifizierte Mehrheit.






erscheint am 12. Juli 2013.
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