Bohemians 1905 – AC Sparta Praha

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13. August 2016
Stadion Dolicek
Zuschauer: 5.000
Resultat: 0:2 

Reinhard Krennhuber | 17.10.2016

Die Gentrifizierung schreitet zügig voran in der tschechischen Hauptstadt, vor allem in den zentrumsnahen Vierteln. Das sieht man nicht zuletzt im aufgehübschten Zizkov, das stark an den Prenzlauer Berg im Berlin der 1990er Jahre erinnert, aber auch in Vrsovice, wo die Bohemians seit mehr als einem Jahrhundert ihre Heimspiele austragen. Strahlte das Viertel bei einem Derbybesuch vor etlichen Jahren noch einen postrealsozialistischen Charme aus, ist die Rauheit heute gewichen. Im Asphalt der Straßen klaffen keine Schlaglöcher mehr, der Gehsteig ist geschmackvoll gepflastert, die Wohnhäuser sind saniert.

Immerhin: Das Dolicek-Stadion – auf Deutsch „kleine Grube“ – ist fast das alte geblieben. Die sanft ansteigende Stehterrasse hinterm Tor hat nach dem Ende der jahrelangen Stadionsperre durch den Verband wegen Auflagenverletzungen 2013 zwar Schalensitze bekommen, doch die wurden in den mittleren Blöcken inzwischen wieder entfernt. Die steile Haupttribüne mit ihren engen Sitzplatzreihen hat sich gar nicht verändert und bietet in ihrem Bauch Platz für ein kleines Vereinsmuseum und einen Fanshop ohne Scannerkassa.

Für das Spiel gegen den Stadtrivalen Sparta ist die Kapazität aus Sicherheitsgründen auf 5.000 Zuschauer beschränkt worden, wenig überraschend kann ein volles Haus vermeldet werden. Zu Beginn gibt es Pyro auf beiden Seiten, bei Sparta fliegt auch ein bisschen etwas aufs Feld. Für Unmut seitens der Gäste besteht aber kein Grund, denn die Weinroten dominieren das Spiel nach Belieben. Die Bohemians geraten früh 0:2 in Rückstand und sind chancenlos.

Die zweite Halbzeit beginnt mit einer Schmähung der Gäste per zweiteiliger Choreo. Viel wichtiger sind aber die Botschaften auf den fix montierten Platten hinter dem Heimsektor: „Wir geben das Dolicek nicht auf“ und „Dolicek, mehr als ein Stadion“ steht dort weiß auf grün. Der traditionelle Ground soll kein austauschbares Stadion mit angeschlossenem Einkaufszentrum werden wie die benachbarte Synot Tip Arena von Slavia. Die Chancen dafür sind intakt: Nachdem der Mietvertrag des Vereins mit einer Immobilienfirma vor dem Aus stand und über eine erneute Schließung spekuliert worden war, beschloss die Stadt im April, das Stadion zu kaufen. Auch wenn der Deal noch nicht finalisiert wurde, sollten die dafür veranschlagten 4,5 Millionen Euro den Fortbestand der Bohemians in ihrem Revier sichern – trotz der Veränderungen vor den Toren.

Referenzen:

Heft: 116
Rubrik: Groundhopping
ballesterer # 121

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