US Siracusa – US Lecce

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25. September 2016

Stadio Nicola de Simone

Zuschauer: 2.005

Resultat: 0:2

Johannes Hofer | 15.11.2016

Sizilien kann trist sein. Besonders an einem verregneten Spätsommertag. Wenn es sich dann auch noch um einen Sonntag handelt, wird es kritisch. Auf den Straßen bleiben die Touristen unter sich. Kein Einheimischer ist so blöd und geht bei diesem Sauwetter vor die Tür. Außerdem haben Siracusas beste Lokale an diesem Tag geschlossen. Regenfrei. Die Kulinarik, sonst der Lichtblick, kommt zu kurz. Siracusa spielt an diesem Sonntag gegen Lecce. Es nieselt, aber Sophie willigt ein. Ehrlicherweise locke ich sie mit eben jener Kulinarik ins Stadion. Ja, es soll sogar Arancini, die wunderbaren frittierten Reisbällchen dort geben. Also gut. Raus aus der Altstadt, rüber zum Stadion.

Am Weg orientieren wir uns an einem absurden Gebäude. Dem Santuario Madonna delle Lacrime. So stelle ich mir eigentlich die Scientology-Zentrale vor, dabei handelt es sich um die größte katholische Wallfahrtskirche der Insel. Irgendwo in der Gegend soll in den 1950er Jahren ein Gipsbild geweint haben, deshalb mussten sie dort eine Kirche bauen, die wie ein Raumschiff ausschaut. Aber egal. Wir wollen einen Kick sehen. Eine Viertelstunde stehen wir vor dem Stadioneingang. Auf die Frage, wo wir denn Tickets kaufen könnten, werden wir in ein Kaffeehaus ums Eck weitergeleitet. Vorbei an den Stadionverbotlern, die 50 Meter vom Eingang entfernt auf die verschlossenen Tore schauen, erreichen wir eine vollkommen überfüllte Bar. In Italien werden mittlerweile sogar in der dritten Liga sämtliche Daten aufgenommen. Ziemlich absurd, denke ich mir.

Als wir endlich auf der Stahlrohrtribüne Platz nehmen, sind bereits zehn Minuten gespielt. Zwei kleine Ultrablöcke machen ordentlichen Wirbel, die Zuschauer fluchen. Kein Wunder. Ihre Mannschaft ist im Tabellenkeller, Lecce spielt ganz oben mit. Die Bemühungen der Heimmannschaft bleiben wirkungslos, der Gegner ist an diesem Tag eine Nummer zu groß. Kurz vor der Halbzeit will Sophie die versprochene Stadionkulinarik genießen und kommt zerknirscht zurück. Mit einer kleinen Packung Chips und einem stillen Wasser.

Lecce, vor vier Jahren noch Erstligist, spielt die Partie trocken nach Hause. Sonst ist alles nass. Zurück zum Auto. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Der Magen knurrt. Aber das ändert sich bald. Wir sind ja schließlich in Italien. Ein paar Tage später kommen wir zurück, um uns die Raumschiffkirche anzuschauen.

Referenzen:

Heft: 117
Rubrik: Groundhopping
ballesterer # 121

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