CD Tenerife – Real Zaragoza

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14. Jänner 2017

Estadio Heliodoro Rodriguez Lopez

Zuschauer: 9.148

Resultat: 1:0 

Martin Birkner | 15.03.2017

San Cristobal de La Laguna ist eine hübsche Kolonialstadt auf Teneriffa. Praktischerweise ist sie mit einer Straßenbahn mit der Insel-hauptstadt Santa Cruz verbunden. Fast eine Dreiviertelstunde braucht die Bahn, um die knapp 15 Kilometer und 600 Höhenmeter hinun-terzugleiten. Inmitten von ganz und gar nicht tristen, von Lokalen gesäumten und Parkanlagen unterbrochenen Wohnhauskomplexen finde ich das in zement-proletarischem Stil erbaute Stadion. In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurde dort noch auf Erde gespielt, mittlerweile gibt es einen passablen Rasen. Im Viertel sind die Pubs mit Andreaskreuz-Fahnen beflaggt. Das weist allerdings nicht auf einen Trainingsaufenthalt der schottischen Nationalmannschaft hin, die Flaggen von Schottland und Teneriffa sind einfach identisch.

Das Stadion ist zu gut einem Drittel gefüllt und gleicht in Sachen Bedachung leider dem Sportclub-Platz. Das ist für verwöhnte Döblinger Gäste wie mich eher unangenehm, vor allem wenn plötzlich Regen einsetzt – was auch prompt passiert. Die wasserscheuen Anhänger flüchten in Windeseile vor den paar Tropfen unter jeden sich bietenden Vorsprung. Die gezählten sieben Gästefans, die eine 2.500-Kilometer-Reise auf sich genommen haben, trotzen dem Regen und geben ihr Bestes. Die Heimkurve ist zahlenmäßig auch nicht die größte, sie ist aber durchaus lautstark und kann sogar singen. Etwas abseits davon hat sich offenbar der erste Jahrgang einer musisch orientierten Hauptschule eingefunden, die Schulkinder quäken nervtötend auf eintönigen Tröten und prügeln unkoordiniert auf Trommeln mit kaputtem Fell ein.

Teneriffa spielt gut, ist überlegen – und schießt kein Tor. Just als sich einer aus einer Gruppe älterer Fans abschätzig über den über-schätzten „kurzen Schwarzen“ äußert, donnert der mit dem schönen Namen German ausgestattete Spieler den Ball wuchtig ins Tor. Jetzt kommt sogar jenseits der dauersupportenden und zudem noch antifaschistischen „Frente Blancoazul“ Stimmung auf, kurz darauf enden der Regen und das Spiel. Die Menschen verlassen fluchtartig das Stadion, der totale Verkehrszusammenbruch kurz darauf erklärt, warum. Ich rutsche beim Hinausgehen auf einem der zahlreichen Sonnenblumenkernschalenhaufen aus, verletze mich zum Glück aber nicht. Anders als im Stadion gibt es in den Beisln davor wieder richtiges Bier, und 1,20 Euro für ein Seiterl sind auch schwer okay.

Referenzen:

Heft: 120
Rubrik: Groundhopping
ballesterer # 121

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