Dass sich nur wenige Leute vor der Kassa tummeln, überrascht. So sind wir nach fünf Minuten je 27,50 Euro ärmer und im Besitz der Tickets fürs Spiel. Weil bis dahin noch zwei Stunden Zeit sind, besuchen wir ein Pub nahe des »De Kuip«. Obwohl wir auffallen, da wir die einzigen nicht orange gekleideten Personen sind, wird unsere Bestellung höflich aufgenommen. Zwei Amstel-Biere später stehen wir vor dem Stadion, wo uns ein Plakat in die Augen sticht, auf dem »Wödmasta« Ernst Happel wie üblich mit Zigarette im Mund abgebildet ist.
Drinnen trauen wir unseren Ohren nicht. Um die Stimmung anzuheizen, wird doch tatsächlich eine holländische Version von »Viva Colonia« gespielt. Zu »Viva Hollandia« tanzt das Maskottchen des KNVB, ein Löwe, über das Spielfeld. 15 Minuten nach Anpfiff zucken wir erschrocken zusammen. Nicht weil Holland gerade in Führung gegangen ist, sondern weil ein Fan hinter uns seiner Freude durch energisches Trommeln gegen eine Absperrung Ausdruck verleiht. Dieses Geräusch begleitet uns von nun an regelmäßig alle fünf Minuten bis zum Ende des Spiels.
Im Zug Richtung Amsterdam Centraal erleben wir nach knapp 30 Minuten ein Déjà vu. Nach einem Halt in Gouda soll der Zug plötzlich wieder nach Rotterdam zurückfahren. Die Änderung erfahren wir nicht etwa durch das Bahnpersonal, sondern nur durch eine Anzeigetafel im Waggon. So verlassen wir um Mitternacht den Zug in Gouda und erkundigen uns vor Ort nach dem Weg nach Amsterdam. Nach einmal Umsteigen in Den Haag kommen wir um 2.10 Uhr schließlich in Amsterdam Centraal an. Tja, auch in Holland gilt das Sprichwort: Wenn man eine Reise tut, dann kann man was erleben.






erscheint am 12. Juli 2013.
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