Ajax Amsterdam - Heracles Almelo

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13. September 2014

Amsterdam Arena

Zuschauer: 47.408

Resultat: 2:1

Philipp Braunegger | 12.10.2014

Blick aufs Ticket. Nein, wir haben uns nicht verirrt, der Eingang zum Sektor stimmt, wir stehen hier nicht vorm VIP-Klub der Amsterdam Arena. Die Zweifel haben die Outfits des hier Hosts und Hostessen genannten Ordnerdiensts hervorgerufen: feinster dunkelblauer Zwirn samt Krawatte. Nicht, dass ich auf so einen Schnickschnack Wert lege, aber ungewohnt ist es schon, wenn man aus Graz, Wien oder Ried eher leibesvoluminöse Henker gewohnt ist, die es mit vermeintlichen Wurfgeschossen ganz genau nehmen. Zitat: "Wos brauchst an Labello bei an Kick? Der bleibt do!" Der Labello ist auch heute im Hostel geblieben. Folge: Meine Lippen reagieren sensibel auf die Amsterdamer Abendluft und werden flott rau.

Hollands Rekordmeister ist mäßig in die Saison gestartet. Gegen Heracles müsse das Team endlich überzeugen, erklärt mir ein Herr vor der Partie am Imbissstand. Er verdeutlicht seine Ansprache, indem er mit dem wabbelnden Fleischklumpen samt Broodje vor meinem Gesicht fuchtelt. So befremdlich wie die mobilen Gruppenpissoirs vorm Stadion ist für uns auch die Kulinarik vor Ort. Viele Amsterdamer dürften den Abend im Vondelpark oder entlang der Grachten genießen, denn das Stadion ist nicht voll. Beim biederen Gegner aus Almelo kein Wunder. Die Gäste müssen ohne wahrnehmbaren Support auskommen. Die Heimkurve von Ajax unter der Regie von "VAK 210" im Oberrang agiert das Spiel über im Schongang: ein bisschen Fahnenschwenken, ein wenig Singen.

Spielerisch ist Ajax drückend überlegen, in der ersten Minute erzielt Arkadiusz Milik das Führungstor, am Ende der ersten Hälfte bedeutet sein zweiter Treffer die Vorentscheidung. Das Spiel ist geprägt vom Unvermögen der Ajax-Stürmer, ein Schützenfest zu feiern. Kurz vor Feierabend kommt die Strafe in Form des Anschlusstreffers.

Am Ende gibt es trotzdem drei Punkte für Ajax und noch einen Fleischklumpen für den Herrn vom Imbiss, der in der Nähe sitzt. Gegen PSG wird das nichts, schnauft er. Vier Tage später holt seine Mannschaft gegen Zlatan Ibrahimovic und Co. einen Punkt. Die Nobelhosts wünschen zum Abschied noch einen schönen Abend. Das ist zwar nett, trotzdem vermisse ich den missgünstigen Blick der Grazer Ordner, wenn ich mir den Labello zurückhole. Das geht heute nicht. Die Lippen bleiben rau. Und tun gleich doppelt weh, als ich am Handy von der Sturm-Niederlage gegen die Admira lese. Ich bekomme Hunger: Gibt's noch Fleischklumpen?

Referenzen:

Heft: 96
Rubrik: Groundhopping
ballesterer # 114

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