Cagliari Calcio 
– 
AC Cesena

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11. Oktober 2015

Stadio Sant’Elia

Zuschauer: 12.670

Resultat: 3:1

Benjamin Schacherl | 11.11.2015

Während im heimischen Wien die Bürger und Bürgerinnen der Stadt zum Urnengang aufgerufen sind, führt mich meine persönliche Sonntagsfrage zu Cagliari Calcio. Ich werde die nächsten Monate auf Sardinien verbringen und möchte wissen, wie es um den Fußball auf der Insel steht. Die Vereinsfarben Cagliaris, Rot und Blau, lassen meine Gedanken noch einmal nach Wien schweifen. Auf den Heimtrikots bilden die Farben eine gelungene optische Koalition – ein etwas verstörender Anblick für jemanden, der noch unter dem Eindruck des Wahlkampfs steht.

Auf der Curva Nord drehen sich die Gespräche wenig überraschend um andere Themen. Der Verein ist mit hohen Erwartungen in die Saison gestartet. Nach dem Abstieg soll nun der sofortige Wiederaufstieg in die Serie A gelingen. Cagliari empfängt als Tabellenführer den punktegleichen Verfolger aus Cesena. Die Anstoßzeit um 12.30 Uhr beschert Spielern wie Zuschauern Temperaturen über 30 Grad. Das Stadio Sant’Elia bietet, bis auf ein kleines Dach auf der VIP- und Pressetribüne, keinerlei Schatten, kann aber auf eine ereignisreiche Geschichte zurückblicken. 1970 erbaut und für die WM 1990 generalsaniert, verlor das Stadion 2002 die Zulassung, da die Sicherheit der Zuschauer nicht mehr gewährleistet werden konnte. Statt eines Neubaus wurde ein provisorisches Stadion im Stadion errichtet: Auf der Laufbahn bieten Stahlrohrtribünen etwa 16.000 Zuschauern Platz und – umrandet von den löchrigen Mauern des alten Stadions – einen äußerst bizarren Anblick. Nachdem auch dieses jahrelange Provisorium 2012 die Genehmigung verloren hatte, absolvierte der Verein einige Spiele im mehr als 1.000 Kilometer entfernten Triest sowie im Vorort Quartu Sant’Elena. Im Herbst 2013 durfte Cagliari wieder ins Stadio Sant’Elia zurückkehren.

Angesichts der besonderen Kulisse fällt es mir in den ersten Minuten schwer, mich auf das Spiel zu konzentrieren, das nur schleppend in die Gänge kommt. Doch kurz vor der Pause bringt Diego Farias die Stahlkonstruktionen zum Beben. In der zweiten Halbzeit entwickelt sich ein rasantes und offenes Spiel. Erst als Cagliari 3:1 führt, sinkt das Tempo wieder. Nach Abpfiff wird die Mannschaft ausgiebig gefeiert und mit lauten „Serie A“-Rufen verabschiedet. Die Stimmung ist ausgelassen, das Bier ist kalt. Meine Wahl für Sardinien: Rot-Blau.

Referenzen:

Heft: 107
Rubrik: Groundhopping
ballesterer # 120

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