Das zur WM 1990 renovierte Stadion hat den Numerus Clausus der Post-Catania-Sanktionen überstanden und steht bereit für Cagliaris Abstiegskampf. Ich habe vorerst ein anderes Problem. Meine Hose rutscht permanent runter, nachdem die Carabinieri meinen Gürtel beschlagnahmt haben. Im Inneren schlägt mir ein Dschungel aus Stahlstangen entgegen. Der Rasen ist zu drei Seiten von Stahltribünen umgeben, die kurzerhand vor die ursprünglichen Zuschauerränge gebaut wurden. Die Curva ist kurz vor Anpfiff nur spärlich gefüllt, und auch die vorhandenen Tifosi scheinen sich mehr für das Sonnenbad als für die eigene Mannschaft zu interessieren. Mit dem Anstoß erhebt sich das Gros der mit überdimensionalen Sonnenbrillen ausgestatteten Fans und verwandelt die Sonnenbank in einen Fanblock. Die Mischung aus italienischen und sardischen Chants schafft es aber nur selten, die gesamte Kurve mitzureißen.
Im Gästesektor weht eine Italien-Fahne, zum römischen Gruß ausgestreckte Hände verkünden die Präsenz des Festlands. Eine Handvoll Römer hisst vor einem verkehrt gespannten »Irriducibili«-Transparent eine Überziehfahne mit der Forderung »Freiheit für Ultras«. Die Partie findet schnell eine vorzeitige Entscheidung, nach einer halben Stunde führen die überlegenen Laziali 2:0. Der Zorn der Cagliari-Tifosi richtet sich gegen die eigene Mannschaft. Doch weder die Aufforderungen der Curva an die Spieler, doch endlich mit der Arbeit zu beginnen, noch die unflätigen Mutterschaftsdeutungen über die eigenen Akteure helfen, das sinkende Schiff Richtung Klassenerhalt zu steuern. [sh]






erscheint am 12. Juli 2013.
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