EC Vitoria - Atletico Paranaense

cache/images/article_1977_04_140.jpg 20. Oktober 2012
Estadio Barradao
Zuschauer: 28.361
Resultat: 0:2
Reinhard Krennhuber | 12.11.2012

Salvador sehnt sich nach einem Derby. Schon zwei Jahre haben Bahia und Vitoria (»Ba-Vi«), die Vereine der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaats Bahia, in der Meisterschaft nicht mehr gegeneinander gespielt, weil Vitoria in die zweite Liga abgestiegen ist. Ein Sieg gegen Atletico Paranaense wäre ein Schritt in Richtung Wiederaufstieg. Entsprechend groß ist das Publikumsinteresse und der Verkehr. Zwei Kilometer vor dem Estadio Barradao komme ich dem Angebot eines selbst ernannten Parkplatzwächters nach und stelle meinen Fiat Uno auf einem Taxisammelplatz ab. Zehn Real, etwa acht Euro, sollen garantieren, dass das Auto nach dem Spiel immer noch dasteht.


Weiter gehts zu Fuß, mitten durch eine Favela, in der die Bewohner Parkplätze und Getränke an die Fans verschachern. Mit dem Kauf eines Vitoria-Trikots steigt das Sicherheitsgefühl. Der Händler schaut mich verwundert an: »Du hast doch vor zwei Wochen ein Bahia-Trikot bei mir gekauft?!« Ich erkläre mit Händen, Füßen und ein paar Brocken Portugiesisch, dass es sich um eine Verwechslung handeln muss, kann mir ein breites Grinsen aber nicht verkneifen. Natürlich durchschaut er mich und sagt: »Dann muss es dein Bruder gewesen sein.«


Vor dem Stadion nimmt die Menschenmasse enorme Ausmaße an: Mehr als 28.000 werden die Drehkreuze passieren. Im Gewühl auf dem Vorplatz erstehe ich von einem Schwarzmarkthändler eine Karte um 25 Real. Die Kurve um die »Torcida os imbatíveis« beweist Erstligatauglichkeit, nur die Spieler wollen nicht so recht mitziehen. Torlos geht es in die Pause, unmittelbar danach fängt sich Vitoria aus einem Konter das 0:1 ein. Gesänge werden abgelöst von Unmutsbekundungen und Beschimpfungen, die sich nach dem 0:2 weiter steigern. Das Match scheint entschieden, und so kann sich der neutrale Besucher am Acaraje-Stand mit in Palmöl frittierten Köstlichkeiten trösten und die überdimensionalen Porträts einstiger Vereinsgrößen von Bebeto über Dejan Petkovic bis hin zu David Luiz an der Stadionmauer bewundern. Zehn Minuten vor Schlusspfiff verlassen tausende Fans das Stadion, und ich lasse mich mit ihnen durch die Favela treiben. Der Fiat steht noch da, wo ich ihn zurückgelassen habe, und so bleibt die einzige Aufregung auf der Rückfahrt ein Motorradfahrer, der sich wohl dem Stadtrivalen verbunden fühlt. Bei Tempo 90 schließt er zu mir auf, zeigt auf mein Vitoria-Trikot und gibt mir zu verstehen, dass »wir« ein weiteres Jahr in der Serie B verbringen werden.

Referenzen:

Heft: 77
Rubrik: Groundhopping
ballesterer # 112

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