ES Hammam Sousse Olympique Beja

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Bouali Lawhar
Zuschauer: ca. 450
Resultat: 1-0
Matthias Marschik | 01.02.2011
Seit langem machen sich in Tunesien die vier Großklubs Esperance und Club Africaine aus Tunis, Etoile Sportive du Sahel aus Sousse und Club Sportif de Sfax alle Titel untereinander aus. Nur diese Vereine lösen, daheim wie auswärts, Massenbegeisterung aus. Wenn dagegen in Hammam Sousse, teils Banlieue, teils Nobelvorort von Sousse, ein Spiel der Ligue Professionelle 1 gegen Olympique Beja stattfindet, deutet selbst kurz vor Anpfiff nichts auf das Match hin.

Ich gehe mutterseelenallein am Stadion vorbei, lediglich von 30 Polizisten beäugt. Im Gegensatz zur Betriebsamkeit der Stadt am Samstagnachmittag ist es hier fast menschenleer. Das Stadion ist von hohen Mauern umgeben, es gibt keine Werbung, keine Schaukästen, keine Einladung zum Spielbesuch, keine erwartungsvollen Menschen, lediglich zwei offenstehende eiserne Türen. Betriebsamkeit herrscht nur beim Seiteneingang, wo die Wagen für die TV-Übertragung stehen.

Dunkler Teint und ein entschlossener Blick reichen, um den Eingang zu passieren. Vorbei an einem netten Polizisten, dessen Schäferhund der einzige aufmerksame Spielbeobachter ist, komme ich auf die Haupttribüne, ein Betonungetüm, das 2006 nach dem erstmaligen Aufstieg des Klubs in die oberste Liga errichtet wurde. Etwa 400 Leute sind da, stehen oder sitzen, reden, rauchen. Gegenüber befindet sich eine ähnliche Tribüne im Minimaßstab mit 30 weiteren Männern.

Was völlig fehlt, sind Frauen und natürlich Alkohol. Dennoch kommen heimische Gefühle auf, denn die aufs Tratschen konzentrierten älteren Männer und 20 jugendliche Supporter, von denen ganze drei in den Klubfarben gekleidet sind, erinnern wie die einsam, aber unentwegt betätigte Trommel (immerhin die ist gelb-schwarz) ebenso an die Atmosphäre der Wiener Liga wie das Spiel selbst.

Am Rasen wechseln sich freche Spielzüge mit banalen Fehlern ab. Allmählich erringt die junge Mannschaft von Hammam Sousse, das einzige legionärslose Team in der Ligue 1, die Oberhand, angetrieben vom ehemaligen Nationalspieler Ben Frej und einem mir unbekannten, aber feschen brasilianischen Trainer namens Robertinho. Der Support plätschert wie das Match dahin und steigert sich nur bei einer Gelb-Roten Karte für Aloui (bedrohlich) und beim erlösenden 1:0 durch Ben Belgacem (jubelnd) in der 78. Minute.

Anmerkung: Seit 13. Jänner 2011 ruht der gesamte Vereinssport in Tunesien. Auf der Website des Fußballverbandes dominierte eine einzige Zeile die aktuellen Mitteilungen: »Gott schütze Tunesien!«

Referenzen:

Heft: 59
Rubrik: Groundhopping
ballesterer # 82

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