Die Sonne lacht zu Spielbeginn und ein durchgehendes »Ooohhh « im Block verkündet, dass wir jetzt dem Premierminister erklären müssen, was er ohnehin wissen sollte: Angeblich kostet dieses »pezzo di merda« dem Verein jede Woche mehrere tausend Euro Strafe.
Gerne würde ich meinem Nachbar mit dem Che Guevara-Schal erklären: »Auch in den deutschsprachigen Medien zerreißen sie sich gerne das Maul über euch, weil ihnen politische Jugendliche suspekter sind als eure Regierung aus Faschisten, Kriminellen und Kriegstreibern «. Ein weiteres Mal mangelt es an der zweiten Fremdsprache. Die 2.000 verwirrten Inter-preten im Auswärtsblock betreiben derweil Publikumsbeschimpfung eintönigster Gangart und beweisen mit dem Schwenken von Keltenkreuzfahnen ihre vollständige Unmündigkeit.
Als Inter im Begriff ist, die Partie mit Unterstützung von Schiedsrichter Rosetti nach Hause zu spielen, überquert ein Brigadist die drei Meter hohe Plexiglasabsperrung und macht Jagd auf die Korruption in Schwarz. Eingefangen von Inter- Keeper Toldo, versucht Cristiano Lucarelli, bester Fußballer der Welt und Kapitän das AS Livorno, den Freiheitskämpfer wieder in die Heimkurve zu bringen. Vergeblich. Ordner übernehmen den verzweifelten Ausreißer, der für seine Aktion stehende Ovationen der Haupt- und VIP-Tribüne erntet. In unserem Sektor hat ein allgemeines Vermummen eingesetzt, ein Kracher zerlegt die Werbebande in ihre Einzelteile. Höhnischer Applaus begleitet jede weitere Aktion des Schiedsrichters, Rosetti kann das Spiel dennoch regulär für Inter zu Ende pfeifen. [kras]






erscheint am 12. Juli 2013.
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