Hanoi FC Hanoi T&T

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Hanoi Stadium
Zuschauer: 6.000
Resultat: 0-1
Clemens Zavarsky | 13.02.2012
Wir tun uns schwer in Hanoi. Als Moris und ich am Spieltag den Weg zum Derby zwischen dem Hanoi FC und Hanoi T&T suchen, sind wir erst einmal ratlos. Wir müssen vier Bars abklappern, bis wir die genaue Route erfragt haben. Sonderlich populär scheint der einheimische Fußball nicht zu sein. Wir schwingen uns auf ein Mopedtaxi und haben erst einmal Angst: Unser Fahrer Duan ignoriert rote Ampeln genauso wie andere Verkehrsteilnehmer. Überhaupt schlägt uns der Sozialdarwinismus im vietnamesischen Straßenverkehr ins Gesicht. Bremsen scheint out zu sein. Radfahrer ignorieren die Fußgänger, Mopedfahrer die Radfahrer, Autos die Mopeds und Lkws sowieso alle anderen.


Duan schlängelt sich gekonnt durch das Gewirr und quittiert unsere Blicke mit einem beruhigenden »Dont worry, my friend«. Bei der Ankunft am Stadion misst unser Puls gefühlte 250. Aber zur Ruhe kommen wir noch lange nicht. Schwarzmarkthändler mit Eintrittskarten, Lottoscheinen und der Originalsonnenbrille von General Vo Nguyen Giap, dem »Napoleon des Ostens«, nehmen uns ins Visier. Wir flüchten zum Ticketbüro, das sich sich als Bierbank mit Schuhkarton entpuppt. Am Gehsteig nebenan verbrennt eine Dame Dollarscheine. Wir erwerben Karten für den FC-Fansektor um umgerechnet drei Euro. Das Porträt Ho Chi Minhs wacht über Heim- wie Auswärtsfans, der blassgelbe Verputz und die hellblauen Sitze sind heruntergekommen, es riecht nach nassem Hund. Auch die Kantine bietet keine Erinnerungen an heimische Matchbesuche: Statt Wurst und Bier gibt es Sonnenblumenkerne und grünen Tee.


Als sich die Spieler zum Hymnesingen aufs Feld begeben, legt sich Nebel über den Rasen. Die dazugehörige Pyroshow suchen wir vergebens. Vor dem Stadion heulen die Motoren der Mopeds der Schwarzhändler und erinnern uns an die wahre Quelle des diffusen Lichts. Die FC-Fans sind motiviert, aber wenig kreativ. Freundlich drückt man uns ein paar Fahnen in die Hand mit der Aufforderung, diese zu schwenken. Als wir auf die Straße treten, wartet dort schon Duan mit dem Moped. »Dont worry, my friend«, sagt er. Nach dem Motto »Hanoi is ois« werfen wir uns wieder in den Straßenverkehr.

Referenzen:

Heft: 69
Rubrik: Groundhopping
ballesterer # 120

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