Hong Kong FC – Wofoo Tai Po 


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22. November 2015

Hong Kong FC Stadium

Zuschauer: ca. 100

Resultat: 1:2

Ruben Schönenberger | 02.02.2016

Als sich 2012 die Übergabe Hongkongs von Großbritannien an China zum 15. Mal jährte, wurden in meinem Hotelzimmer in Peking die internationalen News-Kanäle jedes Mal nach ein paar kritischen Worten schwarz. China will sich als geeintes Land präsentieren. Die gern zitierte Formel „Ein Land, zwei Systeme“ wird auf der ersten Hälfte betont. Kritik ist da nur hinderlich. Die britische Vergangenheit Hongkongs ist aber offensichtlich. Viertel tragen englische Namen, Straßenschilder sind zweisprachig, und sogar Warteschlangen zeichnen sich durch englische Disziplin aus. Wenig verwunderlich, dass sich die britische Vergangenheit auch im Fußball zeigt. Der älteste Verein der Stadt, der Hong Kong FC, wurde 1886 von einem Briten gegründet. Von diesen Wurzeln scheint der Klub nie abgerückt zu sein. Außerhalb Großbritanniens wird sich kaum ein Verein finden lassen, der britischer wirkt.

Das kleine Stadion des Vereins liegt im Innern einer Pferderennbahn. Hinter dem einen Tor wird Landhockey gespielt. Hinter dem anderen Tor liegt das Klubheim, das zumindest von innen an ein Pub erinnert. Daneben wird der britische Boccia-Verschnitt Bowls gespielt, und auf dem Fußballfeld sind zudem Markierungen für Rugby angebracht. Nur der Kunstrasen will nicht so recht ins Bild passen. Darauf läuft bei unserer Ankunft bereits ein Spiel. Gemäß Anzeigetafel spielen die Colts gegen die Wanderers. Nach einer kurzen Google-Recherche stellen wir fest, dass beides Teams des HKFC sind. Trotzdem handelt es sich um ein normales Ligaspiel der höchsten Amateurliga.

Mit 20 Minuten Verspätung folgt das Match, das der eigentliche Grund für unseren Besuch ist. Dass mit dem HKFC und Wofoo Tai Poo die beiden Erstplatzierten der zweithöchsten Liga aufeinandertreffen, lässt leider nicht auf guten Fußball schließen. Die Gäste sind etwas weniger schlecht und gehen 2:0 in Führung. Der HKFC kann zwar noch den Anschlusstreffer erzielen, die drei Punkte nehmen aber die Gäste aus dem etwas abseits der Großstadt gelegenen Tai Poo mit. Vielleicht auch weil der Klub nicht direkt in Hongkong beheimatet ist, spielen bei Tai Poo praktisch nur Chinesen. Das Heimteam zieht den britischen Charakter auch im Kader durch. In der ersten Mannschaft stehen den Namen nach hauptsächlich Expats, viele davon scheinen britischer Herkunft zu sein. „Ein Land, zwei Systeme“ ist offenbar auch für Hongkongs Fußball ein Leitsatz. Mit Betonung auf der zweiten Hälfte. 

Referenzen:

Heft: 109
Rubrik: Groundhopping
ballesterer # 117

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