NK Maribor - Olimpija Ljubljana

cache/images/article_1559_57ground_m_140.jpg 16-10-2010
Ljudski Vrt
Zuschauer: 10.000
Resultat: 0-0
Martin Schreiner | 03.11.2010
Zwei Meisterschaftsspiele der obersten Ligen zweier Länder an einem Tag das geht sich zwischen Graz und Maribor locker aus. ZZ Top plärren aus dem Radio, und wir schießen die A9 Richtung Slowenien hinunter. Die Grazer Schwarzen haben sich gerade von einer Rieder Mannschaft mit nur einer Torchance im ganzen Spiel besiegen lassen. Können wir diese schlechten Vibes in uns besiegen?

 

Wie eine Katze schmiegt sich das Ljudski Vrt mit seinem Wellendach ins Stadtzentrum von Maribor. In seinem Bauch findet das wichtigste Match des Landes statt, das die Slowenen seit dem Wiederaufstieg von Olimpija 2008 wiederhaben. Auch die Polizei will sich vor dem Spiel beliebt machen. Ordnungskräfte werfen einen Laibacher Fan Kopf voraus in einen Gefängniswagen. Sein Aufprall klingt hart auf dem Blech des Kombis. Noch härter entwickelt sich der Kleinkrieg zwischen der Olimpija-Kurve und den Polizisten im Stadion. Auf Rauchtöpfe und Bengalen folgt ein Wasserwerfereinsatz bei sieben Grad Außentemperatur. Die fünfhundert Verhaltensauffälligen von den »Green Dragons« gehen mit Böllerwürfen auf die zehn Meter vor ihnen aufmarschierten Sicherheitskräfte in den Konter. Auf verbalen Support samt grün-weißer Choreo beschränken sie sich erst, als die Polizisten in den Sektor einmarschieren. Die violette Heimkurve antwortet mit soliden Dauergesängen. Das gesamte Stadion zeigt Emotion. Hier ist mehr Stimmung als beim Grazer Spitzenspiel.

 

Erster gegen Letzter lautet die Rangordnung auf dem Feld. Darko Milanic hat in Maribor eine Mannschaft geformt, mit der er bereits Meister und Cupsieger wurde. Heute kommt der ungefährdete Tabellenführer über ein Plus bei den Spielanteilen nicht hinaus, Olimpija vergibt in einem technisch gut geführten Spiel drei Großchancen. Am Ende heißt es »nic prote nic« jener Endstand, auf den sich unser slowenischer Wortschatz beschränkt. Ein Relikt aus Zeiten eines brüchigen ORF-Monopols, als die jugoslawische Meisterschaft via slowenisches Fernsehen den »Eisernen Vorhang« überwand, um unseren kargen Fernsehalltag aufzubessern.

Referenzen:

Heft: 57
Rubrik: Groundhopping
ballesterer # 121

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png