Als Fans des launischen Traditionsklubs Standard haben es die Bewohner der Industriestadt nicht immer leicht. Das Hinspiel gegen Cercle Brugge, das Überraschungsteam der Saison, hat mit einem peinlichen 1:4 geendet. Aber an diesem Mittwochabend ist die Hoffnung zurückgekehrt. In Sclessin trägt sie den Namen Steven Defour. Der 19-jährige Kapitän wird schon vor Anpfiff seines ersten Spiels nach mehrwöchiger Verletzung gefeiert.
Selbst die torlose erste Hälfte kann die Roten auf Rasen und Rängen nicht entmutigen. Nach der Pause kommen sie richtig in Fahrt. In der 52. Minute fällt das 1:0, fünf Minuten später zirkelt Defour mit aller Selbstverständlichkeit einen Freistoß durch ein Loch in der Mauer zum 2:0 ins Tor. Als das Ausnahmetalent des belgischen Fußballs in der 70. Minute das Feld unter Standing Ovations völlig erschöpft verlässt, hat er dem Spiel eine Wendung gegeben, die kurz vor Schluss zu zwei weiteren Toren führt. Standard hat sich mit vier Toren in den letzten 40 Minuten doch noch ins Semifinale gespielt!
Ich gehe mit Louis, einem pensionierten Maschineningenieur, und seinem Sohn Bruno zu unseren Autos. Rechts dutzende Busse der aus allen Landesteilen angereisten Heimfans. In der Mitte der Strom der Feiernden, die die letzten Bengalen abfackeln. Links Bars mit einschlägigen Namen: »Ballon« (Ball), »Enfer« (Hölle), »The Cup«, »Standard«. In einer trinken wir noch Bier. Ich erzähle vom Meistertitel 1974 des Linzer Stahlwerksteams VÖEST, Louis erzählt, dass bei Arcelor das Linz-Donawitz-Verfahren verfeinert wurde. Wir prosten einander zu: auf Standard! Und auf den Dampf! [kmf]






erscheint am 12. Juli 2013.
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