Valur Reykjavik Stjarnan FC

cache/images/article_1540_56ground_v_140.jpg 12-09-10
Hlioarendi-Stadion
Zuschauer: 783
Resultat: 5-1
Dominik Sinnreich | 05.10.2010
Es gibt Dinge, die kann man planen, und Dinge, die man nicht planen kann. Man kann zum Beispiel planen, sich ein Auswärtsspiel der YouTube-Torjubel-Starlets von Stjarnan anzuschauen. Und vielleicht den »Lachsfang« live zu sehen. Oder die »Menschliche Toilette«. Oder ganz was Neues? Nicht planen kann man hingegen, dass Stjarnan ausgerechnet in diesem Spiel 1:5 paniert wird und die Spieler so gar keine Lust haben, einen ihrer Torjubel vom Stapel zu lassen. Immerhin, der Weg durch das Innere des Stadions auf die einzige Tribüne (Kapazität: 3.000) und der dortige Ausblick sind schick. Das Hlioarendi-Stadion und seine Besucher sind so wie die ganze Stadt Reykjavik: verdammt posh. Mode und Elektronik-Schnickschnack sind offenbar die Wunderwaffen des braven Konsumenten gegen die isländische Banken- und Finanzkrise.


Die Zuschauer sind kleidungstechnisch absolut englandtauglich, verhalten sich aber auch so, als wären sie in einem x-beliebigen Premier-League-Palast. Sie sitzen und schweigen, was man ihnen angesichts der Kälte nicht übel nehmen kann. Die Fans von Knattspyrnufélagið Valur wie die Fußballabteilung genau genommen heißt und von Stjarnan singen selten, und wenn, dann monoton. Von den Sitzen reißt sie erst der Schiedsrichter: Ein Elfmeterpfiff für Valur mitten in einer Druckphase der Gäste aus der Vorstadt Garðabær entscheidet das Spiel schon nach gut 20 Minuten. Die Hausherren kontern sich mit Wonne durch die Partie zur Halbzeit steht es bereits 3:0. Den Torjubel kann ich mir spätestens jetzt aufmalen. Also auf in die Kulinarikabteilung von Valur. In der Pause gibt es Hotdogs mit undefinierbaren Saucen und »Dominos Pizza« aus der Schachtel, die der Valur-Fan bevorzugt an einem der kostenlosen Internet-Terminals zu sich nimmt. Fast Food und Facebook: Island, wie es sich labt und (down)lädt.


In Hälfte zwei hat die Sonne dann doch Mitleid und bricht für ein paar Minuten durch die Wolken. Die Szenerie wirkt jetzt wie aus einem Werbeprospekt für den isländischen Fußball. Die Fahnen des Fußballverbandes und des Hauptsponsors Pepsi flattern im Wind. Bis 2009 hieß die Liga ja nicht Pepsideild, sondern nach ihrem vorherigen Hauptsponsor Landsbankadeild. Das spendet Trost für den Heimweg: Immerhin gibt es noch Leute, deren Pläne viel mächtiger in die Hose gegangen sind.

Referenzen:

Heft: 56
Rubrik: Groundhopping
ballesterer # 82

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Der nächste ballesterer fm erscheint am 12. Juli 2013.

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