Mein Traum ist, dass eines Tages am Ende jedes Matches rivalisierende Tifosi einander die Hände schütteln werden.« Also, das ist nicht mein Traum, sondern der von Antonio Matarrese, Präsident der italienischen Profiliga. Weil in dieser die Spieler nach einem Match einander zukünftig brav die Pratze geben müssen, um der Welt zu zeigen, dass sämtliche Blödheiten der abgelaufenen 90 Minuten nur Spaß waren, visioniert der Präsident nächtens weiter.
Nun gehe ich zwar nicht auf den Platz, um einen brennenden Motorroller auf den Kopf zu kriegen oder von übermotivierten Kampfsportlern verfolgt zu werden, aber - mit Verlaub - Matarreses Traum ist trotzdem nicht meiner. Ich war und bin für gepflegte Rivalität und distinktiven Salon-Hooliganismus. Die Gesellschaft ist dem Menschen naturgemäß zumutbar, und im Fußball steckt immer noch so viel Gesellschaft drinnen, dass er (dadurch) interessant bleibt. Auch wenn sich die Ideen und Zielsetzungen der meisten Klubs mehr und mehr angleichen (Cashmoney, Entertainment-Industrie), leben die Unterschiede in der Anhängermotivation zumindest rudimentär weiter. Rivalität ist dabei alles andere als ein Selbstzweck, aber bei manchen Vereinen oder Spielern kriegt auch der ausgeglichenste Kolumnist Gefühle. Warum nicht auch hassen, was hassenswert ist?
»Reaktiver Hass«, zitiert Wikipedia den Tiefenpsychologen Erich Fromm, »setzt immer voraus, dass jemand eine positive Einstellung zum Leben, zu anderen Menschen und zu Idealen hat.« Das unterschreibe ich doch, da bin ich dabei. Meine positive Einstellung zum Leben will ich mir von Matarrese nicht wegträumen lassen. Genauso wenig wie die Verdammung des Prinzips Berlusconi, des Kults um den Erfolg, die Ablehnung von Zeitschindern, Selbstfallern und Kühbauern. Denn: Fußballfans sind keine Buddhisten.
Andreas Kump ist Sänger der Popgruppe SHY.






erscheint am 12. Juli 2013.
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