Beschwerde beim Salzamt

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Wer Red Bull in Salzburg beklatscht, sollte die Fortführung der Konzerninteressen auch in Leipzig gutheißen.

Jakob Rosenberg | 12.09.2016

„Ich bin froh, dass ich den Schritt in die deutsche Bundesliga nicht über Leipzig gewählt habe.“ Der Wechsel von Martin Hinteregger sorgte für einigen Wirbel am letzten Transfertag. Nicht, weil er beim FC Augsburg unterschrieben, sondern weil er sich gegen RB Leipzig entschieden hatte. Im Trainingslager des Nationalteams gab der ehemalige Red-Bull-Salzburg-Verteidiger ein rund vierminütiges Interview, das in österreichischen und deutschen Medien schnell als Aufreger die Runde machte.

Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Erstens weil es mittlerweile offenbar eine Seltenheit ist, wenn Spieler Entwicklungen im modernen Fußball mit derart klaren Worten kritisieren. Zweitens weil Hinteregger im Grunde nichts Neues gesagt hat. Dass Red Bull sein Hauptaugenmerk auf den viel größeren deutschen Markt legt, ist offizielle Konzernstrategie. Schon im Herbst 2014 hatte Sportdirektor Ralf Rangnick angekündigt, dass die stärksten RB-Spieler künftig in Leipzig spielen würden. Aus kommerzieller Sicht der Firma ist das völlig logisch. Dennoch scheint der Strategiewechsel bei den Salzburger Akteuren noch nicht angekommen zu sein.

Wenige Tage vor Hintereggers Aussagen polterte Red-Bull-Trainer Oscar Garcia nach dem Abgang von Bernardo, dass sein Verein zum Ausbildungsverein degradiert werde. Vor einem Jahr verließ Trainer Adolf Hütter den Verein nach dem Gewinn der Meisterschaft wegen fehlender Perspektiven. Und Marcel Sabitzer nutzte RB Leipzig vor zwei Jahren, um die Ausstiegsklausel bei seinem alten Verein, Rapid, zu umgehen. Als sein neuer Arbeitgeber Leipzig dann aber nach einer Leihsaison in Salzburg verlangte, dass er auch für ihn spielen solle, zeigte er sich darüber empört.

Wenn Hinteregger sagt, dass Salzburg und Leipzig zwei ganz verschiedene Vereine seien, sammelt er unter RB-SalzburgFans zwar Sympathiepunkte, ganz ernst meinen kann er das aber nicht. Seinem Teamkollegen Andreas Ulmer ist es ja nicht einmal aufgefallen, als er in der Champions-League-Qualifikation eine Halbzeit im RB-Leipzig-Trikot gespielt hatte. Die Kritik von Salzburgern an der größeren Red-Bull-Filiale mag naiv sein, verständlich ist sie aus ihrer Perspektive trotzdem – aber nur aus dieser. Wer sieht es schon gerne, wenn sich die eigenen Arbeitsbedingungen verschlechtern?

Doch über den Tellerrand der eigenen Betroffenheit reicht das Lamento nicht hinaus, es sagt nichts über die Dynamiken des modernen Fußballs und die wirtschaftlichen Interessen des Energydrinkherstellers. Genau dort müsste eine ernstzunehmende Kritik ansetzen. Wer Red Bull in Salzburg beklatscht, sollte die Fortführung der Konzerninteressen auch in Leipzig gutheißen. Für alle anderen gibt es den Trost, dass Red Bull sein Interesse am Fußball irgendwann einmal verlieren wird.

Referenzen:

Heft: 115
Rubrik: Anstoß
ballesterer # 120

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