»Da lacht er!«, tönt es aus der Lautsprecheranlage des Hilton am Stadtpark. Ich schaue auf, der Teamchef blickt mir in die Augen. Es hat wirklich den Anschein, als rede er mit mir. Links und rechts niemand, der sonst in Frage kommen würde. Einen Moment später, untermalt von einer Kinnbewegung, der nächste Schuss: »Da, hinterm Peter (Elstner, Anm.)!« Es besteht kein Zweifel mehr: Der Verfolgungswahn von Didi Constantini hat auch den ballesterer erreicht.
Anlass für den Lacher oder vielmehr breiten Grinser war die Antwort auf die Frage eines Kollegen, ob denn György Garics für das Team noch in Frage käme. »Eigentlich nicht. Irgendwann ist keiner bei seinem Chef ein Thema, wenn er ihm drei Mal sagt, was ihm nicht gefällt«, meinte Constantini. »Ich freue mich aber für ihn, dass er in Italien spielt und viel Geld verdient. Das ist doch schön.« Wie soll man auf eine solche Aussage sonst reagieren, wenn nicht amüsiert. Mit Standing Ovations? Hüsteln? Einem scheinbar konzentrierten Blick in den Notizblock?
Diese Detailaufnahme der Pressekonferenz wäre kaum der Rede wert, wenn sie nicht eine breitere Aussagekraft hätte. Tatsächlich sagt sie nämlich einiges über Constantinis Situation und seinen Umgang damit aus: der Teamchef fühlt sich angesichts des zunehmenden medialen Drucks ins Eck gedrängt, der Schmäh hat schon länger seine Wirkungskraft verloren. Also würgt er Journalistenfragen ab und vergreift sich sogar im Ton gegenüber dem eigenen Pressesprecher. Dass der ballesterer nicht im Verdacht steht, eine Kampagne gegen ihn zu reiten, ist irrelevant. Denn die Devise lautet: »Da lacht einer, der muss gegen mich sein.« Und: »Schieß auf alles, was sich bewegt.«
Nur sollte man mit dem Finger am Abzug nicht verkrampfen, weil es die Wahrscheinlichkeit vermindert, das Ziel zu treffen. Und auf seine Rückendeckung achten. Denn Aussagen wie mit Belgien würde er sich nach dem Aserbaidschan-Match beschäftigen und die Unwissenheit über den Gesundheitszustand Mark Jankos öffnen die Schleusen zu weiterer Kritik. Was zu weiterer Verkrampfung führen könnte. Und das wollen wir nicht. Weil es dann gar nichts mehr zu lachen gäbe.






Der Teamchef blickt mir in die Augen. Einen Moment später, der nächste Schuss. Es besteht kein Zweifel mehr: Der Verfolgungswahn hat auch den ballesterer erreicht.
erscheint am 12. Juli 2013.
Abo bestellen