A message to you

cache/images/article_1658_egerer_140.jpg ANSTOSS Bleiben wir bei der Wahrheit: Dass das Hanappi-Stadion dieses Jahr bei vielen Spielen ausverkauft war liegt auch an der Attraktion der lautstarken Fankultur.
Hans Georg Egerer | 12.07.2011
Rudy,
das war eine scheiß Saison. Keine Frage. Am Ende ohne internationalen Startplatz dazustehen, ist einer Rapid nicht würdig, und nach zwei Gegentoren im Heimderby kann sich schon tiefe Enttäuschung breit machen. Trotzdem, der Platzsturm war unnötig wie ein Kropf. Ihm fehlt alles, was einen Protest erfolgreich macht: eine triftige Begründung, der richtige Adressat und die passende Form.


In deiner Aussendung vom 22. Mai zählst du die ständigen Verkäufe von Leistungsträgern auf, lieber Block West, und beklagst dich über deren fehlenden Ersatz. Klar kann man der Vereinsführung vorwerfen, das Potenzial des SK Rapid nicht optimal zu verwerten. Aber ehrlich gesagt, ist mir eine dank dieser Verkäufe halbwegs gesicherte Zukunft lieber, als ein Meistertitel, der im Konkurs endet. FC Tirol und GAK lassen grüßen. Dass bei uns wirtschaftliche Vernunft eingekehrt ist, sollte man dem Präsidenten nicht vorwerfen, dafür sollte man ihm dankbar sein.


Weiters, lieber Block West, wunderst du dich in deiner Stellungnahme über die Reaktion der Medien. Da wiederum kann ich mich nur wundern. Wir kennen die doch seit Jahren. Wir sind in Österreich, ein Protest in Sturmmasken und mit brennenden Fackeln, der live im Fernsehen übertragen wird, provoziert die Bürgerkriegsmetaphern förmlich. Selbst wenn zum Glück wenige Verletzte zu beklagen sind. In Griechenland wäre das vielleicht anders.


Deswegen bitte ich dich, lieber Block West, besinne dich deiner Stärken, wenn du in Zukunft wieder einmal protestieren willst: Überlegen, Dinge planen und nicht einfach zulassen und dann darauf schauen, dass gemeinsam sinnvoll gehandelt wird. Schließlich haben wir die Austrianer doch gerade deswegen immer ausgelacht, weil da jeder tut, wie er lustig ist.

Rudi,
es ist dir nahegegangen. Das hat man gesehen, lieber Herr Präsident. Sprachlos und mit leerem Blick bist du auf der Tribüne gesessen. Kurz nachher sind dir überzogene Forderungen ausgekommen, lebenslängliche Stadionverbote für die Platzstürmer etwa, in der ersten Emotion verständlich. Ungefähr drei Wochen später hat der SK Rapid ein Zehn-Punkte-Programm präsentiert, in dem er zum Thema Stadionverbote halbwegs zur Verhältnismäßigkeit zurückkehrt.
Andere Maßnahmen kann ich nur als Kniefall vor dem medialen Trommelfeuer verstehen, tragen sie doch nichts zur Verhinderung zukünftiger Ausschreitungen bei:


Punkt 5 beinhaltet das Zusperren des berühmten Ultras-Kammerl, der Lieblingszielscheibe der selbsternannten Moralisten in den Medien. Dort lagere die aktive Fanszene angeblich illegale Pyrotechnik. Der Bengale, den der maskierte Platzstürmer auf die Auswärtstribüne geworfen hat, war allerdings zuvor von Austria-Fans aufs Spielfeld befördert worden und hat das Kammerl mit Sicherheit nie von innen gesehen. Das Zusperren der Lagerräume für Fanutensilien hilft hier gar nichts.


Punkt 9 beschäftigt sich mit der »familienfreundlichen« Umgestaltung des Rapid-Dorfs. Nun bin ich der letzte, der diesem Bierzelt eine Träne nachweint. Das ewige Ausspielen von Familien gegen die aktive Fanszene ist aber demagogische Rhetorik. Ich bitte dich, lieber Herr Präsident, auch wenn Medien und Sponsoren das Familiengeplapper gerne hören, bleiben wir bei der Wahrheit: Dass das Hanappi-Stadion dieses Jahr bei vielen Spielen ausverkauft war mit Kindern, Frauen, Männern, Alten und Jungen auf den Tribünen liegt gerade auch an der Attraktion der lautstarken Fankultur, wie sie im Block West gelebt wird. Am sportlichen Erfolg kann es ja nicht gelegen sein.

ballesterer # 121

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png