Alter Kontinent, neue Gelder

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Es war die erwartete Farce. Das Urteil der FIFA-Ethikkommission sprach die WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022 vom Vorwurf der Bestechung frei. Zwar h√§tten sich im Zuge des Bewerbungsverfahrens einige Funktion√§re nicht vorbildlich verhalten, auf den Ausgang der Abstimmung habe dies aber keinen nennenswerten Einfluss gehabt, so der Kommissionsvorsitzende Hans-Joachim Eckert. 

Moritz Ablinger | 10.12.2014

Allerdings hat die Kommission nur die Geschehnisse untersucht, die unmittelbar mit dem Bewerbungskomitee zu tun hatten. So blieben Zahlungen in Millionenh√∂he au√üen vor: Jene f√ľnf Millionen Euro Startgeld etwa, die die L√§nderverb√§nde Brasiliens und Argentiniens f√ľr ihr Antreten in einem Freundschaftsspiel in Doha erhielten und die von einem katarischen Unternehmen stammten. Auch jene 32 Millionen Euro, die die Familie von FIFA-Exekutivkomitteemitglied Marios Lefkaritis durch einen Landverkauf vom katarischen Unternehmen QIA erhielt, wurden nicht untersucht. √úberraschen sollte das Schweigen der Ethikkommission allerdings nicht. Sie ist und bleibt Teil der FIFA.

Die Kritik am milden Urteil war √ľberw√§ltigend. Chefermittler Michael Garcia drohte gar mit Klage, er sah seine Ergebnisse nicht angemessen wiedergegeben. Auch die Medien lie√üen kein gutes Haar am Weltverband, und viele europ√§ische Fu√üballfunktion√§re schlugen in die gleiche Kerbe. David Bernstein, der ehemalige Pr√§sident des englischen Verbandes, sprach sich f√ľr einen Boykott der WM 2022 durch die gro√üen europ√§ischen Landesverb√§nde aus. Reinhard Rauball, Pr√§sident der Deutschen Fu√üball Liga, dachte gar laut √ľber einen FIFA-Austritt nach.

Die europ√§ische Opposition zur FIFA ist allerdings nicht so glaubw√ľrdig, wie sie sich gibt. Die Vergabe der EM 2012 an Polen und in die Ukraine umgeben bis heute hartn√§ckige Korruptionsvorw√ľrfe. Besonderes Interesse an deren Aufkl√§rung zeigte die UEFA nie. Der englischen Bewerbung f√ľr die Weltmeisterschaft 2018 wird im Bericht Eckerts' vorgeworfen, allzu aktiv um die Unterst√ľtzung des ehemaligen FIFA-Vize Jack Warners gebuhlt zu haben. Warner wurde 2011 wegen Korruptionsvorw√ľrfen suspendiert. Das Bewerbungskomitee von Spanien und Portugal f√ľr 2018 verweigerte gleich pr√§ventiv die Aussage vor der Ethikkommission.

Vielleicht geht es dem alten Kontinent also weniger um Transparenz als um den Ausbau des eigenen Einflussbereichs. Die Idee einer Abspaltung dient als Drohkulisse, um Druck f√ľr die eigenen Interessen zu machen. Verlockend klingt die Idee eines FIFA-Konkurrenzverbands allemal: Die europ√§ischen L√§nder und wirtschaftlich starke Partner k√∂nnten mit einer Alternativ-WM viel Geld verdienen und w√§ren zudem das schlechte Image des Weltverbands los. Nur bl√∂d, dass sich die Europ√§er einen Gegner ausgesucht haben, der die Machtspielchen besser beherrscht als sie: Sepp Blatter.

Referenzen:

Heft: 98
Thema: FIFA
ballesterer # 120

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