Anstoß: Welle gegen Fekter

cache/images/article_1257_44pyro_140.jpg Wie der ballesterer bereits in seiner Juli-Ausgabe berichtete, soll Pyrotechnik in und um Österreichs Fußballstadien komplett verboten werden. Innenministerin Maria Fekter hat inzwischen bestätigt, dass sich das Parlament noch im Sommer mit einer entsprechenden Novelle beschäftigen werde. In Kraft treten soll das Gesetz, das auch die bisher in manchen Stadien erlaubten angemeldeten Pyroshows untersagt, mit Beginn 2010.
Reinhard Krennhuber | 04.08.2009
Die Vorgehensweise der Ministerin spricht Bände über das herrschende Unverständnis gegenüber Fananliegen in Österreich. In der Pressekonferenz vom 10. Juli wurde das Verbot von Bengalen und Rauchtöpfen unter anderem mit einem starken Anstieg an Gewaltdelikten begründet. Der gewünschte Reflex trat ein: Die Medien waren am nächsten Tag voll des Verständnisses für die Pläne Fekters.

Fans laufen dagegen Sturm gegen die geplanten Neuregelungen. LASK- und Austria-Anhänger präsentierten in der zweiten Bundesliga-Runde eine gemeinsame Spruchband-Aktion mit dem Titel: »Fekter: Wenn Argumente fehlen, folgen Verbote und Strafen«. Rapid-Fans ließen beim Match in Mattersburg ein »Wir scheißen auf euer Geschwätz zum Pyrogesetz« folgen. Unterstrichen wurden die Botschaften von massivem Bengalen-Einsatz. In Linz und Ried zog die Polizei Fekter-kritische Spruchbänder aus dem Verkehr.

Auch in Innsbruck wurde mit Feuer und Transpis protestiert. Die Faninitiative kritisiert zudem in einer Presseaussendung die von der Ministerin hergestellte Verbindung zwischen Pyrotechnik und Gewalt als kontraproduktiv und forderte Behörden und Liga-Vertreter auf, sich konstruktiver mit der Thematik auseinanderzusetzen. Ein berechtigter Einwand. Denn wie sollen Initiativen wie die ebenfalls am 10. Juli präsentierte Bundesliga-Aktion »Welle gegen Gewalt« Erfolg haben, wenn man es sich gleichzeitig mit der Basis verscherzt?

Wacker Innsbruck zeigte Verständnis für die Verärgerung der Nordkurve und bezeichnete die Plane des Innenministeriums als »Eigentor«. Wacker-Geschäftsführer Gerald Schwaninger kündigte eine Negierung des Pyro-Verbots an, weil sich der Dialog mit den Fans bewahrt habe. Im Tivoli sind angemeldete Pyro-Aktionen aufgrund einer Ausnahmegenehmigung erlaubt. Boller und das »Schmuggeln« verbotener Gegenstande seien im Zuge der Abmachung nicht mehr vorgekommen, so Schwaninger gegenüber der Tiroler Tageszeitung.

Abseits der hitzigen Pyro-Diskussion ist die Panikmache von Fekter in Sachen Gewalt zu hinterfragen. Laut Innenministerium soll der Anstieg bei Gewaltdelikten seit der Saison 2005/06 413 Prozent betragen haben. Der willkürlich anmutende Referenzzeitraum
wurde wohl gewählt, um eine möglichst hohen Wert zu erhalten und den seit der EM erhöhten Sicherheitsaufwand zu rechtfertigen. Vergleicht man die Zahlen der beiden vergangenen Spielzeiten, liest sich die Statistik schon viel weniger bedrohlich: 817
Verwaltungsstrafen und 380 Strafanzeigen in der Saison 2007/08 standen im Folgejahr 1.071 Verwaltungs- und 520 Strafdelikte gegenüber.

Referenzen:

Heft: 44
Rubrik: Kommentare
ballesterer # 121

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