Auch Sprengen ist keine Lösung

cache/images/article_2670_moritz_140.jpg

Die Verlegung der Cuppartie zwischen Blau-Weiß Linz und Rapid ist nur das jüngste in einer Reihe von Beispielen, die zeigen, dass die Gugl für nichts zu gebrauchen ist.

Moritz Ablinger | 19.10.2016

„Nach Abwägung aller Argumente ist eine Austragung auf dem Sportclub-Platz die sinnvollere Lösung.“ So begründet der ÖFB die Verlegung des Cup-Achtelfinales zwischen Blau-Weiß Linz und dem SK Rapid aus dem Linzer Stadion nach Wien-Hernals. Aufgrund der gleichzeitig stattfindenden Karate-WM in der benachbarten Tips-Arena sei das Spiel organisatorisch und sicherheitspolizeilich nicht durchzuführen.


Es ist nur das jüngste in einer Reihe von Beispielen, die zeigen, dass das Stadion auf der Gugl für nichts zu gebrauchen ist. Der LASK trägt seit dieser Saison seine Heimspiele in Pasching aus, bereits in der Vergangenheit war er öfters in den Vorort ausgewichen. Seit 2015 wird auch das Leichtathletikmeeting nicht mehr im Linzer Stadion, sondern in der Halle der TipsArena ausgetragen. Das geringe Zuschauerinteresse rechtfertigte eine Durchführung im Stadion nicht, schließlich waren 2014 gerade einmal 2.000 Leute gekommen.


Somit bleibt nur der FC Blau-Weiß Linz. Aufgrund der Bundesliga-Auflagen darf der Klub seine eigentliche Heimstätte, das Donauparkstadion, in der zweiten Liga nicht nutzen und muss auf der Gugl spielen. Wenn es denn geht. Denn das Match gegen Rapid ist nicht das erste, das heuer Probleme macht. Auch für das Heimspiel gegen Horn Mitte Oktober hieß es lange, dass nicht im Linzer Stadion gespielt werden könne. Grund dafür war das Tennisturnier, das gleichzeitig in der TipsArena stattfand. Letztlich konnte doch eine Übereinkunft getroffen werden: Das Spiel fand wie geplant statt, allerdings durften die Fans die Stadionparkplätze nicht nutzen. Glaubt man einem Bericht der Gratiszeitung Heute, wurden sie zudem angehalten, nicht zu laut zu sein, um die Tennisspielerinnen nicht zu stören.

Nach Abwägung aller Argumente könnte es durchaus sinnvoll erscheinen, die Gugl einfach zu sprengen. Politisch allerdings wird das kaum durchzusetzen sein. Denn der letzte Stadionumbau ist keine zehn Jahre her. Von 2008 bis 2012 wurde die Gugl um 32 Millionen Euro renoviert. Ein Zentrum für den Linzer Spitzensport sei dadurch entstanden, hieß es damals von der sozialdemokratischen Stadtregierung. Seither bietet die Gugl 20.500 Besuchern Platz, knapp 1.900 kommen durchschnittlich zu den Spielen von Blau-Weiß. Für sie bleibt es eine Sisyphusaufgabe für Stimmung im Stadion zu sorgen. Auch nach dem Umbau ist die Distanz zum Spielfeld viel zu groß, das Oval zu weitläufig.

Kurzfristig lassen sich diese Probleme nicht lösen. Dennoch müssen sich auch der ÖFB und die Polizei einige Fragen stellen lassen: Am Cupspieltag findet die erste Qualifikationsrunde der Karate-WM statt. Der Zuschauerandrang wird sich in engen Grenzen halten. Von den insgesamt erwarteten 25.000 wird wohl der Großteil erst zu den Finalbewerben am Wochenende erscheinen. Warum nicht gleichzeitig nebenan ein Fußballspiel stattfinden kann, ist unklar. Das Hauptproblem geht aber über organisatorische Details hinaus – und betrifft die Unfähigkeit der Stadt Linz, auch nur ansatzweise günstige Rahmenbedingungen für den Profisport zu gewährleisten. Sollte der derzeitige Zweitligaletzte Blau-Weiß wieder in die Regionalliga absteigen, würde die Gugl, das Zentrum des Linzer Spitzensports, faktisch leer stehen. Das wäre immerhin die passende Symbolik. 

Foto: Hanna Koppensteiner

Referenzen:

Heft: 116
Rubrik: Anstoß
ballesterer # 121

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png