Aus Sotschi lernen

cache/images/article_2239_rk13_140.jpg Wladimir Putins Spiele sind ein Milliardengrab. Auch in Westeuropa wurde die Ablehnung teurer Großveranstaltungen zuletzt offenkundig. Von den internationalen Sportverbänden hat bisher nur die UEFA Bereitschaft zur Veränderung gezeigt.
Reinhard Krennhuber | 11.02.2014

Nein, die Olympischen Winterspiele haben keinen Fußball im Programm - auch wenn das Klima am Schwarzen Meer dafür geeigneter wäre als für Bobfahren, Langlaufen und Skispringen. Wladimir Putins Spiele gehen Fußballfans trotzdem etwas an, denn das teure Spektakel von Sotschi weist einige Parallelen zu großen Fußballturnieren auf. Und schließlich ist Russland 2018 WM-Gastgeber.


Ob Putin dabei noch einmal so viel Geld verschleudern kann, ohne innenpolitische Konsequenzen fürchten zu müssen, wird sich zeigen. Zum Vergleich: 2006 in Turin haben die Veranstalter die bisherige Rekordsumme von 2,5 Milliarden Euro ausgegeben. Die Gesamtkosten von Sotschi sollen sich laut dem russischen Oppositionsführer Boris Nemzow auf 50 Milliarden Dollar belaufen. Ein Brocken, der Putin noch teurer zu stehen kommen könnte, als ihm lieb ist. Egal wie oft er beteuert, dass nur ein Teil der Ausgaben von der öffentlichen Hand getragen werde. Die Fülle an Sondergesetzen, Zwangsenteignungen, Grundstückspekulationen, Umweltsünden und Korruptionsfällen wird sein Ansehen in der russischen Bevölkerung nicht verbessern. Erster Widerstand regt sich.


In Brasilien, wo am 12. Juni die Weltmeisterschaft angekickt wird, passieren ähnliche Dinge. Auch hier profitiert die breite Bevölkerung wenig bis gar nicht von den Investitionen. Auch hier werden Menschen aus ihrer angestammten Umgebung vertrieben und Stadien als Weiße Elefanten in Gegenden gebaut, in denen sie nachher niemand mehr braucht. 2016 gibt's zur Draufgabe Sommerspiele in Rio. Allerdings hat sich im vergangenen Jahr eine Protestbewegung formiert, die den Organisatoren die kommerziell so vielversprechenden Geschäfte verleiden könnte.


Auch in Westeuropa wurde die Ablehnung teurer Großveranstaltungen zuletzt mehrmals offenkundig. Volksbefragungen zu Olympischen Spielen gerieten in Wien und München zu Denkzetteln für Politiker und Lobbyisten, die sich selbst inszenieren wollten. In Zeiten von Wirtschaftskrise und Sparpaket sind die Steuerzahler nicht dafür zu begeistern, Milliarden für ein paar Wochen im weltweiten Rampenlicht zu verprassen.


Als einziger großer Sportverband hat bisher die UEFA diese Zeichen verstanden. Sie lässt die Europameisterschaft 2020 nicht in einem oder zwei, sondern auf 13 Länder verteilt spielen. Vorhandene Infrastruktur soll genutzt, Kosten minimiert werden. Selbst wenn das nicht der einzige Grund für den Testballon war und der Austragungsmodus auch Nachteile mit sich bringt: Angesichts des Milliardengrabs von Sotschi und einer WM in Katar muss man Platini und Co. dafür wohltuende Vernunft attestieren.

Referenzen:

Heft: 89
Rubrik: Anstoß
ballesterer # 117

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