Blick in die Röhre

cache/images/article_1345_pangl01_140.jpg Der TV-Vertrag der Bundesliga wird neu verhandelt. Die Verlierer stehen bereits fest: BL-Vorstand Georg Pangl und die Fans, die mit einer weiteren Aufsplittung des Spieltags leben werden müssen. Vor dem Fernseher ist auch keine Besserung zu erwarten.
Reinhard Krennhuber | 03.02.2010
Es war keine wirkliche Überraschung, als Neo-Bundesliga-Präsident Hans Rinner Mitte Jänner im Wiener Hotel Marriott verkündete, die Liga werde das mit neun Millionen Euro pro Saison dotierte Angebot des Pay-TV-Anbieters Sky für die Fernsehrechte nicht annehmen und die Sache neu verhandeln. Der Druck zunächst vonseiten Rapids und des ORF, dann auch von anderen Klubs war zu groß geworden, die Ligaspitze konnte Fehler nicht mehr schönreden.

Neben dem bei der Pressekonferenz mehrmals indisponierten Sturm-Boss ist vor allem Georg Pangl ramponiert aus diesem Machtkampf hervorgegangen. Das Zustandekommen eines neuen TV-Vertrags gehört zu den Kernaufgaben seiner Tätigkeit als Ligavorstand. Dass das Gros der Klubs den von ihm zu verantwortenden Sky-Deal abgelehnt hat, darf als persönliche Blamage gewertet werden. Insofern ist es eigentlich verwunderlich, dass in den folgenden Tagen nur zögerlich sein Rücktritt gefordert wurde. Unverständlich auch, dass Pangl beteuerte, es habe nie eine Ausschreibung der Rechte gegeben, wo entsprechende Unterlagen doch bis zum Tag der Entscheidung auf der Liga-Website angefordert werden konnten.

Abseits dieser Führungsschwäche zeigt sich in der Diskussion vor allem ein marktspezifisches Dilemma, das durch die ORF-Krise noch verschärft wird. Die österreichischen Vereine lukrieren im internationalen Vergleich sehr wenig Geld aus Fernseheinnahmen, sind beim Anteil der Sponsorengelder am Gesamtumsatz aber Spitze. Insofern war es folgerichtig, das Sky-Angebot zurückzuweisen, denn es hätte neben der Verschlechterung bei den TV-Geldern vor allem einen massiven Reichweitenverlust für die Sponsoren bedeutet. Dietrich Mateschitz sprach gegenüber der Kleinen Zeitung von 10.000 bis 15.000 Sehern, die Bundesliga-Spiele im Pay-TV durchschnittlich verfolgen ein Horrorszenario für die Klubs, wenn sie an ihre Werbepartner denken.

Mateschitz könnte mit seinem Servus TV nun als großer Retter einspringen. Zwar hat es der Red-Bull-Chef verabsäumt, Rapid-Präsident Rudolf Edlinger für dessen Ansage, Rapid könne sich auch einzeln vermarkten, ein unmoralisches Angebot zu machen, das dessen Schachzug als relativ leere Drohung entlarvt hätte. Mateschitz hat aber zweifellos die Mittel, gemeinsam mit dem ORF ein Paket zu schnüren, das die Erwartungen der Klubchefs erfüllt. Und seine Aussagen gegenüber der Kleinen Zeitung »Die notwendige Präsenz hat Fußball einfach nur über das Free-TV« und »Fest steht, dass sich der Fußball für einen Sender ohnehin nicht mehr rechnet. Man muss Allianzen bilden« lassen keine anderen Optionen offen. Sky hätte in diesen Allianzen freilich auch seinen Platz.

Ein Verlierer bleibt aber auch bei dieser Konstellation: der Fan. Denn die geplante weitere Aufsplitterung des Spieltags auf Freitagabend, zwei Samstagstermine und ein Sonntagsspiel erschwert die Terminplanung der Stadionbesucher. Und auch vorm Fernseher ist keine Besserung zu erwarten. Die Ankündigung des ORF, die Produktionskosten zu senken, klingt angesichts des bestehenden Niveaus der öffentlich-rechtlichen Fußballübertragungen wie eine gefährliche Drohung. Eine Bundesliga-Sendung mit einer fixen Beginnzeit rückt in noch weitere Ferne. Und das trifft in weiterer Hinsicht auch die Klubs, die es verabsäumt haben, Druck auf den Küniglberg auszuüben, um für ihre Sponsoren bessere Werbewerte zu erzielen.

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Heft: 49
Rubrik: Kommentare
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