Brav bleiben!

cache/images/article_1682_presse_140.jpg Wie fesselnd so ein Platzsturm ist. Jetzt ist er bald drei Monate her, und noch immer füllt er die Blätter. Aber weil eine neue Saison begonnen hat, in der noch nichts passiert ist, wurde die Bürgerkriegsrhetorik (Lieblingsschlagwort: Hass!) durch merkwürdige Ätschibätsch-Kommentare ersetzt.
Mario Sonnberger | 11.08.2011
Dass Rapid ein Wurscht-Testspiel gegen verschlafene Valencianer gewinnen konnte, kam da gerade recht. »Rapid begeistert gegen Valencia«, jubelte der Kurier gemeinsam mit 8.200 folgerichtig »begeisterten Rapid-Fans«. Den »200 noch immer Beleidigten«, die als Protest gegen die Maßnahmen nach dem Platzsturm schwiegen, zeigte man die publizistische Zunge. Bäääh, es geht auch ohne euch!

Beleidigt spielen
Auch in der Meisterschaft bemühte man sich, den Auftritt der Fans kleinzuschreiben: »Die kuriose Seite des Protests: Wenn die Fans wie in Wiener Neustadt schweigen, kommt der Erfolg zu Rapid zurück.« Darf man somit das Geisterspiel in der ersten Runde als gelungene Starthilfe für eine grüne Rekordsaison interpretieren? Oder ist es Schadenfreude? Schließlich diagnostizierte Kurier-Kolumnist Bernhard Hanisch einen »typischen Fall von Selbstüberschätzung« bei den Rapid-Fans, die quer durch die Bank nur mehr als »beleidigt« bezeichnet wurden in einem Artikel über Steffen Hofmann etwa, der die »Block West«-Kapitänsschleife gegen eine reguläre austauschte.

Hardcore schädigt Kinderohren
Typisch war jedoch eher, dass wie in Österreich üblich der Form des Protests zigfach mehr Beachtung geschenkt wurde als seinem Inhalt. Aufgemuckt wird nicht! Ein Platzsturm ist freilich eine äußerst dumme Form, Unzufriedenheit zu signalisieren. Schließlich muss man wenig später mit unschönen Konsequenzen rechnen, ist erst recht unzufrieden und kann gleich den nächsten Protest planen, anstatt den ersten ordentlich durchzuziehen. Dabei darf man das hierzulande sowieso nicht, egal, worum es geht. Froh soll man sein, geht es nach Wolfgang Winheim. Gegen Valencia wurde gejubelt, also »passte die Disziplin«. Ein mahnender Zeigefinger für die »beleidigte Hardcore-Abteilung«, deren Protestwillen als Disziplinlosigkeit ausgelegt wurde. Winheims Vision: »Bald sollte sich somit bis zu den Familienvätern herumsprechen, dass sie wieder bedenkenlos ins Hanappi-Stadion kommen können, ohne ihren Kindern bei Sprechchören die Ohren zuzuhalten oder in Argumentationsnotstand geraten zu müssen.« Und wenn die lieben Kleinen still sitzen, lieb schauen und ruhig bleiben, kommt vielleicht sogar einer dieser kuriosen Rapid-Siege heraus.
ballesterer # 120

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 13.04.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png