Das Wunder von Palma

Als Agnostiker mit dem Begriff »Vorhölle« zu hantieren, mag einerseits unscharf erscheinen. Andererseits vegetierte ich unlängst für gut zwei Stunden am Flughafen von Palma durch die Gänge und was, wenn nicht »Vorhölle«, soll dieser Bier- und Bratwurst-Hangar sonst sein? Dem Transitreisenden ist es dort zum Beispiel nicht möglich, irgendetwas Lesbares zu erstehen. Stattdessen kann er freilaufende Kegelfreunde aus Schweinfurt oder die 80-köpfige Schafkopfrunde aus Botnang bei Stuttgart im vollen Effekt beobachten. Vorteil: Die Angst vor dem eigenen Tod schwindet dadurch ungemein. Nachteil: Noch ist es nicht so weit und der Abflug nach Sevilla verzögert sich um 30 Minuten.
Andreas Kump | 07.07.2009
Genau in diesem Augenblick geschah es: Mir wurde rot vor Augen! Am Gate tummelten sich plötzlich etliche junge Männer in knallroten Polo-Shirts. Das Team des Real Club Deportivo Mallorca, identifizierbar an den gekrönten Logos der Polos, trat die Anreise zum Auswärtsspiel beim FC Sevilla an. Der vorhöllige Flughafen erschien gleich in neuem Licht. Und weil der Zufall mir dann einen Sitzplatz exakt hinter dem portugiesischen Innenverteidiger Nunes, dem Torhüter Miguel Àngel Moyà und seitlich des baskischen Stürmers Aritz Aduriz zuwies, sollten die lichten Momente den Flug über anhalten.

Ein Highlight etwa das Defilee mitreisender Anhänger. Deren dezente Fanadjustierung samt zweier, dreier Tätowierungen Marke Gmundner Keramik (dicke grüne Linien) wurde von den Kickerstars milde lächelnd abgenickt, um für die gesamte Flugdauer in Golfmagazinen nach Uhrenreklamen zu suchen (Aduriz) oder Kaugummis mit Ganzkiefereinsatz zu zerkauen (Nunes). Weitere Gewissheit: Heutige Fußballer geben viel Geld für Pflegeprodukte aus. Dass die gemeinsame Anreise den Besuch des Estadio Ramon Sanchez Pizjuan nach sich zog, versteht sich von selbst. Sevillas FC gewann trotz frühem Aduriz-Gegentreffer klar mit 3:1.

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Heft: 43
Rubrik: Kommentare
ballesterer # 82

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