Den Fußball wird es immer geben

cache/images/article_2212_jakob2_140.jpg Die Bundesliga darf sich nicht nur in Durchhalteparolen üben, sie muss sich stärker um eine Aufklärung der Manipulationsvorwürfe bemühen.
Jakob Rosenberg | 09.12.2013

Gerüchte gab es immer wieder, hin und wieder tauchten Meldung über konkrete Fälle irgendwo auf der Welt auf, der ballesterer berichtete regelmäßig, es erschienen Bücher zum Thema Spielmanipulation - Ende November kannten die österreichischen Hauptabendnachrichten und die Tageszeitungen jedoch kein wichtigeres Thema mehr. Der Skandal war in der österreichischen Bundesliga angekommen. Derart massiv, dass Bundesliga-Vorstand Georg Pangl in der ORF-Diskussionssendung "Im Zentrum" in seiner ersten Wortmeldung sagte, es sei mühsam, so viel zu dem Thema zu lesen. Zugleich beharrte er darauf, dass man immer im Konjunktiv reden müsse, weil ja nichts bewiesen sei.


Es ehrt Pangl, dass er die Unschuldsvermutung hochhält. Sein Versuch, das Problem kleinzureden, lässt sich zudem als unmittelbare Interessensvertretung verstehen - schließlich soll das Produkt Fußball auch in Zukunft verkauft werden. Glaubwürdiges Interesse an der Aufklärung und Beseitigung von Spielmanipulationen signalisiert Pangl damit allerdings nicht. Sonst hätte er seine Wortmeldung mit Selbstkritik angefangen. Sicher, die Bundesliga ist selbst Opfer der Spielmanipulation, und sie kann keine staatliche Behörde ersetzen, die ermittelt und straft. Aber die Liga ist für die Rahmenbedingungen zuständig, unter denen Profifußball gespielt wird. Sie weiß dank des Lizenzierungsverfahrens genau über die Finanzlage der Vereine Bescheid und handelt als Arbeitgebervertreter mit der Gewerkschaft die Kollektivverträge der Spieler aus. Gute Einkommen sind zwar keine Garantie gegen Manipulation, aber sie verkleinern das Risiko - speziell auf einem derart umkämpften und unsicheren Arbeitsmarkt wie dem Profifußball.


Wenn Vertreter der von den aktuellen Ermittlungen betroffenen Vereine wie Grödig und Kapfenberg auf eine möglichst schnelle Rückkehr zur Tagesordnung hoffen, mag das naiv klingen, es ist aber legitim. Gerade die kleinen Vereine bangen um die ohnehin schon wenigen Sponsoren, die ihnen den Profibetrieb überhaupt ermöglichen. Aber die Bundesliga darf sich nicht in Einzeltätertheorien und Durchhalteparolen üben. Sie muss jetzt stärker denn je um eine glaubwürdige Aufklärung der Vorwürfe und eine möglichst hohe Transparenz in der Geschäftsgebarung ihrer Mitglieder kämpfen. Nur so werden sich Fans und Geldgeber in ihrem Interesse am Sport ernst genommen fühlen.

 

In der Sendung "Im Zentrum" sagte Pangl auf die Frage nach den möglichen finanziellen Auswirkungen der aktuellen Debatte, dass man den Markt ohnehin nicht bestimmen könne: Manchmal finde die Liga ohne Manipulationsskandal keinen Sponsor, manchmal trotzdem einen. Damit signalisierte er vor allem eines: Wurstigkeit. Warum er glaube, sich diese Haltung leisten zu können, erklärte Pangl auch gleich: "Den Fußball wird es immer geben." Aber es bedeutet noch lange nicht, dass sich die Vereine nicht eine bessere Interessensvertretung suchen.

Referenzen:

Heft: 88
ballesterer # 120

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